Predigt Pfingsten, 24.05.2015

Die Liebe Gottes des Vaters ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist (Röm 5). Der Pfingstgeist eröffnet die familiäre Tiefendimension des Lebens: in diesem Geist sagen wir sagen wir zu dem unbegreiflichen Gott Abba, Vater, und begreifen uns als seine geliebten Söhne und Töchter, untereinander als Brüder und Schwestern einer Menschheitsfamilie um staunend zu werden was wir sind.
Der Pfingstgeist ist auch so etwas wie das demokratische Element in unserem Glauben. Er verleiht uns im Volk Gottes die gleiche Würde: In der Lesung haben wir gehört: „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Hl. Geist erfüllt.“ Die Apostel erfahren, dass auch auf den Gläubigen der von ihnen so genannten Heidenvölker der Hl. Geist geschenkt wird. So sind alle Getauften und Gefirmten Geist-liche, vor allen Unterschieden! Zeichen dafür ist, dass bei der Taufe und Firmung mit demselben Chrisam in der Kraft des Hl. Geistes gesalbt wird, wie bei der Priester- und Bischofsweihe.
Darum war es auch Papst Franziskus wichtig: was bei der Weltbischofssynode über die Familie gesagt wird, darf nicht nur von den geweihten Geistlichen sondern von den geistlichen Vätern und Müttern, den geistlichen Jugendlichen gesagt werden. Denn es gibt nicht nur das Lehramt der Hierarchie, es gibt auch das Lehramt des ganzen Volkes der Geistbegabten Getauften. Dafür gibt es die traditionelle Bezeichnung „sensus fidelium“. Das ist das „Gespür der Gläubigen“, der Sensus, das Gespür der Familien dafür, was der Geist den Gemeinden und Gemeinschaften sagt. Im Vertrauen darauf hat Papst Franziskus die Befragung aller Gläubigen für die Familiensynode veranlasst.
Deshalb lädt die Pfarre zur Hl. Familie in der Langen Nacht der Kirchen am nächsten Freitag unter dem Motto „Kirche hört zu“ zu einer Pfarr-Familiensynode ein: Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind nach ihren Erfahrungen und Meinungen gefragt: nach Frohbotschaften von Ehe und Familie, Erfahrungen mit Belastungen und Brüchen, nach Stellungnahmen zu kirchlichen Stolpersteinen. Dabei stehen wir in einem großen Spannungsfeld: Wie kann auf der einen Seite die Unauflöslichkeit der Ehe gestärkt werden, können Ehepaare unterstützt werden, dass ihre Lebensgemeinschaft auf Dauer gelingt. Und wie kann auf der anderen Seite Neubeginn nach einem Scheitern möglich sein – bis zum Kommunionempfang und dem Segnen von Wiederverheirateten nach einer Scheidung – und auch für verantwortlich und treu lebende schwule und lesbische Paare?
Bei der Synode im Herbst hat ein Paar anschaulich gemeint: Die Kirche hat zu lange den Familien vorwiegend in die Schlafzimmer geschaut. Sie solle ihnen aber vor allem ins Wohnzimmer schauen. Die Theologieprofessoren von Innsbruck sind in einer neuen Stellungnahme deutlich geworden. Die Kirche habe trotz Fortschritte immer noch eine „Leiche im Keller“: dass Sexualität tendenziell unter dem Blickwinkel von zu verurteilender Sünde gesehen werde. Stattdessen sei „ein positives, differenziertes lehramtliches Bekenntnis zur Bedeutung und Würde der gelebten Sexualität unbedingt notwendig.“ Herzlich eingeladen zur Pfarr-Familiensynode am Freitag: es gehört zu unser aller Verantwortung auch manchmal öffentlich zu sagen, was der eigene Meinung nach der Geist zu Leben in Ehe und Familie sagt.
Der Geist Gottes führt uns in die Spannungsfelder des Lebens hinein. Daran erinnern schon das Brausen wie vom Sturmwind am Pfingsttag und das Zeichen des reinigenden Feuers.
So war es auch beim ehemaligen Erzbischof von San Salvador, Oscar Romero, der gestern von Papst Franziskus selig gesprochen wurde. Am 24. März 1980 ist Romero während einer Messe im Auftrag des Staates von einem Scharfschützen gezielt erschossen.
Oscar Romero stammte aus einer armen, kinderreichen Familie, studierte in Rom an der Gregoriana Theologie. Nach seiner Zeit in der Seelsorge und am Priesterseminar wurde er 1974 zum Bischof geweiht und 1977 Erzbischof von San Salvador. Anfänglich fand seine Wahl das Gefallen der korrupten Machtelite von Reichen, Politik, Justiz, Medien und Militär, denn Romero war unpolitisch, ängstlich und höflich. Er sagte, dann haben ihn die verfolgten Armen Kleinbauern zur Option für die Armen bekehrt – Und wie er mit ansehen musste, wie sei Freund P. Rutilio Grande, der sich für die Campesinos eingesetzt hatte, ermordet wurde.
Jeden Tag verschwanden unliebsame Gewerkschafter, Politiker, Gläubige, Katechisten, Priester. Oscar Romero trat gewaltlos gegen die Gewalt aller auf: der Machthaber und Militärs und der Guerilleros. Er ermutigte die Frauen und Mütter, deren Männer und Söhne verschleppt wurden, viele ermordet, 75.000 im ganzen Bürgerkrieg, sich zu organisieren. Sie gründeten „Mütterkomittees“ und erstellten Listen der Verschwundenen. Erzbischof Romero verlas die Namen der Verschwundenen in seinen Predigten im kirchlichen Rundfunk und forderte die Verantwortlichen auf, sie freizulassen. Romero kam auf die Liste der Todesschwadronen.
Bei seiner letzten öffentlich übertragenen Predigt sagte er unter anderem: „Soldaten, ihr seid Brüder aus dem selben Volk. Ihr tötet eure Brüder, die Bauern. Kein Soldat ist verpflichtet einen Befehl zu befolgen, der gegen das Gesetz Gottes ist. Im Namen Gottes, im Namen dieses leidenden Volkes, dessen Wehklagen zum Himmel schreit: ich bitte euch, ich befehle euch, ich flehe euch an: im Namen Gottes: Stoppt die Repression, die Unterdrückung und die Gewalt.
In einer Vorahnung hatte Romero gesagt: Wenn ich einmal gehen muss, gehe ich in der Gegenwart Gottes. Und: Wenn ich sterben muss, werde ich in meinem Volk wieder auferstehen.
Bekennen wir in dem familienstiftenden Geist Gottes, der auch der Geist der Wahrhaftigkeit und der Geist Jesu ist unseren gemeinsamen Glauben.
Bernhard Kranebitter, Dekan

Predigt 3. Mai Floriani: Christen und Muslime

Predigt:
1. Florianus war zuerst Offizier und dann einflussreicher Leiter der Verwaltung der römischen Provinz Ufernoricum vergleichbar mit einem Landesamtsdirektor. Florian war ein treuer loyaler Beamter seines Statthalters und des Kaisers Diokletian. Dann aber beanspruchte dieser auch Kyrios-Caesar, ein GottKaiser zu sein. 303 hat er per Edikt unter Androhung der Todesstrafe verlangt, dass seiner Göttlichkeit zur Ehren alle römischen Bürger Opfer darbringen mussten. Für Florianus gab es aber nur einen Herrn, Kyrios: Jesus Christus. Er widersetzte sich dem totalitären Anspruch, opferte nicht, und wurde deshalb mit 40 anderen Christen bei Lorch in der Enns ertränkt.
2. Heute werden im Nahen Osten und manchen afrikanischen Staaten auf schreckliche Weise und in noch größerer Zahl Christen, andere ethnische Minderheiten und andersgläubige Muslime verfolgt und getötet. 100 Jahre nach dem Genozid an den christlichen Armeniern finden heute tödliche ethnisch/religiöse Säuberungen statt, die zu den fürchterlichsten der Geschichte gehört: Millionen fliehen davor und ziehen im Extremfall dem Bleiben den Tod im Mittelmeer oder auf anderen Fluchtrouten vor.
Wir Christen dürfen hier nicht schweigen, wie in keinem Fall von Verfolgung,
3. Müssen aber zuerst bekennen: Christen waren in der Geschichte nicht nur Opfer und Märtyrer, sondern auch Täter und Töter: Auch Christen sind der totalitären Versuchung erlegen und haben in enger Verbindung mit Machthabern über andere Konfessionen, Religionen, Menschen, … Unheil und Tod gebracht: gegen Muslime in den Kreuzzügen, Katholiken gegen Protestanten in den Vertreibungen wie im Defereggen, gegen und mit den Protestanten im 30-jährigen Krieg, in totalitären Formen des Katholische-Kirche-Seins besonders vor dem Bekenntnis zur Religionsfreiheit und der Würdigung der anderen Religionen im II. Vat. Konzil.
4. Im Bewusstsein dieser Schuld und der Vergebungsbitte von Papst Johannes Paul im Jahr 2000 müssen wir aber die Stimme erheben für die Opfer im nahen Osten: eine hochkarätige internationale Konferenz der Friedens-Gemeinschaft San Egidio hat es mit Repräsentaten aus dem Orient es in Bari so formuliert: Durch den erbitterten Kampf um die Vormachtstellung zwischen sunnitisch-muslimischen Staaten und den schiitisch-muslimischen Staaten (Iran, Syrien und Irak) und durch den erbitterten Kampf um die interne Vormachtstellung zwischen den sunnitischen Staaten (Türkei, Saudi Arabien und Ägyptern) greift eine tödliche Instabilität um sich. Dort breiten sich die fundamentalistischen Todestruppen wie die IS aus, massiv finanziert von arabischen Staaten. „Man muss die Muslime in einem ständigen Gespräch an ihre Verantwortung gegenüber ihren Minderheiten und getrennten Glaubensbrüdern, an die Menschenrechte, besonders an die Religionsfreiheit erinnern; dass sie durch Hass nicht das Antlitz des Islam verzerren, dass sie nicht die ganze Welt wegen ihrer internen Auseinandersetzung und der Abhängigkeit vom Öl in Geiselhaft nehmen. Darunter leiden auch die Völker des Islam selber und wünschen Frieden, aber diese Stimme wird von den Hasspropheten zugedeckt.“
5. Papst Franziskus schreibt dazu in evangelii gaudium: „Angesichts der Zwischenfälle eines gewalttätigen Fundamentalismus muss die Zuneigung zu den authentischen Anhängern des Islam uns dazu führen, gehässige Verallgemeinerungen zu vermeiden, denn der wahre Islam und eine angemessene Interpretation des Koran stehen jeder Gewalt entgegen.
Wir dürfen uns nicht von Angst und alter Kreuzzugsmentalität anstecken lassen, denn dann hätte der Terror sein Ziel erreicht. Die Minderheit der Islamisten lässt sich nur mit den Muslimen zusammen bekämpfen. Es geht um die Einbindung und Zusammenarbeit mit der Mehrheit der authentischen Muslime, die den Frieden wollen.
6. Einbindung war der Weg in Österreich, er ist beispielgebend für andere, ihn gilt es noch verstärkt weitergehen.
Diesen Montag war der jährliche „Tag der Theologischen Fakultät und der Diözese“. Diesmal gemeinsam mit der Islamischen Religionsgemeinde (Innsbruck für das Bundesland) Tirol zum Thema „Christen und Muslime – Begegnung und Austausch“. 100te TeilnehmerInnen dabei die Bischöfe Manfred und Benno Elbs und der Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich Fuat Sanac, LR Christine Bauer, Vizerektor. Die säkulare staatliche Universität mit der Theol. Fakultät – und unsere österreichischen Schulen an denen es auch den muslimischen Schulunterricht gibt – sind seit Jahrzehnten Begegnungsorte der Religionsgemeinschaften, und ein Einübungsort des respektvollen Miteinanders. So gibt ein Masterstudium Islamischer Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät Innsbruck.
Österreich kümmert sich auch in Europa in überdurchschnittlichem Ausmaß um Flüchtlinge. Auch da durch alle Schwierigkeiten weiter vorangehen.
Manchmal hört man die Befürchtungen, dass die Muslime mit den vielen Kindern bei uns die Mehrheit haben werden und durch die Glaubensbegeisterung die Christen überflügeln werden? Ich glaub ein guter Schuss positiver Neid und positive Eifersucht könnte uns ja durchaus bei der Kinderfreundlichkeit und im Glaubenseifer anspornen, nicht zu unserem Nachteil! Es gibt nicht zu viel Islam in Europa, sondern zu wenig Christentum.
Florianus hat Glaubensverfolgung am eigenen Leib erfahren. Wir bitten ihn heute: Hilf löschen mit deinem symbolträchtigen Wasserkübel die tödliche Verfolgung von Christen, Minderheiten, Andersgläubigen durch Fundamentalisten und totalitäre Staaten – und lösche die islamophobe Diskriminierung von Muslimen bei uns und weltweit. Amen.
Bernhard Kranebitter, Dekan

Predigt,15.09.2013 (Lk 15,1-10) – Andreas Zeisler

Andreas ZeislerGeschätzte Pfarrgemeinde,
„Freut euch mit mir“ lässt Lukas in den Gleichnissen des heutigen Evangeliums den suchenden Hirten und die Frau, die ihr Geldstück im Haus wiederfindet, heraus posaunen: „Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war“, „freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden die ich verloren hatte“.

Freude in der Begegnung

Diese Erfahrung von Freude darf ich Ihnen und mir am heutigen Tag auch wünschen. Mein Name ist Andreas Zeisler und ich habe mit Anfang September das Pastoraljahr hier in der Pfarre zur Heiligen Familie begonnen. Für mich geht es nach der Ausbildung an der Universität und dem Priesterseminar nun darum, das Leben in einer Pfarre hautnah mitzuerleben. Dabei werde ich notwendige Praxiserfahrungen für den folgenden kirchlichen Dienst sammeln und bei mir zugeteilten Aufgaben die eigenen Fähigkeiten und Schwächen ausloten. Am wichtigsten scheinen mir aber die Begegnungen mit Ihnen / mit Euch zu sein, denn genau in diesen zeigen sich ja die kostbaren Schätze des Lebens, die es zu bewahren gilt und nach denen zu suchen es sich lohnt.

Kostbarkeiten im Miteinander 

Die Frau im eben gehörten Gleichnis weiß um den Wert dieses ihr anvertrauten Gutes und nimmt gerade deswegen einen sorgenvollen Aufwand für das Nachgehen auf sich – sie zündet eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht mit unermüdlichem Einsatz nach den ihr zuteil gewordenen Gütern, so berichtet uns das Lukasevangelium. Ich weiß, dass die Mehrheit der Bibelwissenschafter dieses Tun als Bild für das Bemühen Gottes um den Menschen deutet. Aber heute, genau eine Woche nach dem 50. Pfarrjubiläum der „Heiligen Familie“ und zu Beginn meiner ersten pastoralen Schritte, möchte ich die Worte Jesu auch als Auftrag an uns verstehen: nämlich das Bewusstsein um die Einzigartigkeit dieser persönlichen Schätze, die Gott einem jeden von uns mitgegeben hat, die nicht selten irgendwo versteckt unter der Decke schlummern bis sie eben im Miteinander zur vollen Entfaltung gelangen. Rufen wir uns – als von Gott reich Beschenkte – ein weiteres Mal das wunderbare Wort des Lukas in Erinnerung: „freut euch mit mir“ oder wohl angemessener ausgedrückt „freut euch mit dem Anderen“, und fügen wir hinzu „denn Gott hat im Leben eines jeden Menschen seine Spuren hineingelegt“.

Wert der Anfechtung

Gerade die Bemühungen der Frau um das eine fehlende Geldstück, welches für sie mit einem eigenen Wert verbunden ist, da es sie wohl auf den einen Geber verweist – nennen wir ihn Gott –, aber auch der Hinweis auf die Adressaten des Gleichnisses – „Zöllner und Sünder“ – stellen die angesprochenen Lebensschätze nicht in den Raum des heilen Behütet-seins und Perfekten oder etwa in den Raum der Gleichgültigkeit hinein. Die Frau im Gleichnis ist mit häuslicher Dunkelheit konfrontiert, doch gerade sie, mit der wir uns letztlich alle identifizieren können, lässt sich deswegen nicht von ihrer Suche abbringen. Vielmehr bleibt sie ihrer Ausrichtung treu, nein sie weiß sogar die richtigen Mittel dagegen anzuwenden um jenes Gut aufzuspüren, das sie von Gott bekommen hat. So ist letztlich die Suche nach dem Wirken Gottes im Leben der Frau aus dem Gleichnis mit Erfolg gekrönt und sie kann ihre Freude an den Lebensschätzen über die Mauern des eigenen Hauses hinaus mit den Mitmenschen teilen – „freut euch mit mir“.

Persönlicher Ausblick

Als eine Fortsetzung meiner bisherigen Suche nach den Spuren Gottes im Leben will ich die kommende Zeit hier in der Pfarre zur „Heiligen Familie“ verstehen. Bestärkt durch die Erlebnisse der vergangenen Tage hier in Lienz freue ich mich, dass ich im Pastoraljahr ein Teil eurer Pfarrgemeinde sein darf und mit euch Ausschau nach den Spuren Gottes halten kann. Natürlich gehe ich auch mit einer inneren Anspannung den Aufgaben entgegen und stelle mir angesichts mancher Dunkelheit die Frage, ob ich dem Neuen und Ungewissen, das auf mich zukommt, gerecht werden kann und nicht den Blick für das Wesentliche verliere. Auf Gott im Gebet vertrauend bin ich aber zuversichtlich, dass wir immer wieder eine starke Lampe oder einen guten Besen finden werden.

Anregung zum eigenen Weiterdenken:
Für wen, wofür setze ich mich ein?
Wie wertvoll muss mir etwas Verlorenes sein, um es zu suchen?

Was bewegt uns im Pfarrgemeinderat?

Conny Palfinger

Liebe Pfarrgemeinde!

Für uns im Pfarrgemeinderat hat das Jahr 2013 viel Neues und Interessantes gebracht. Besonders bewegt haben uns die vier gut besuchten Podiumsdiskussionen zum Thema „II. Vatikanisches Konzil“. Diese Veranstaltungen wurden durchwegs positiv beurteilt. Die Möglichkeit des Besuchs dieser Abende mit Podiumsdiskussion wurde von vielen Mitgliedern unserer Pfarrgemeinde wahrgenommen. Es war schön zu sehen, dass dieses Thema für viele Gläubige sehr interessant ist und sie sich dafür die Zeit genommen haben. Es wäre auch schön, wenn es am Fr, 8. Nov. beim Pfarrlichen Konzilstreffen in unserem Pfarrsaal ähnliches Interesse gäbe. Über rege Teilnahme, Diskussionen und kreative Ideen würden wir uns sehr freuen.

Bewegend im Jahr 2013 waren auch die freiwillige Abdankung von Papst Benedikt XVI. und die Wahl von Papst Franziskus. Ein neuer sehr volksnaher Papst. Dieser starke neue Impuls an der Spitze gibt auch uns an der Basis Mut für Neues!

Pfarrgemeinderatsobfrau Conny Palfinger

“Was mir im Leben wichtig ist” – Ergebnisse der Fragebögen

Bernhard Kranebitter, DekanWir haben das nicht zu hoffen gewagt. Über 760 Osttiroler und Osttirolerinnen haben die seit Jänner verteilten Fragebögen „Was mir im Leben wichtig ist“ engagiert ausgefüllt und uns zugesandt.

Erste zusammenfassende Ergebnisse daraus:

  • Den Menschen geht es um die großen Lebensthemen: Gesundheit, Arbeit und Beruf, Geburt und Tod, dem Gelingen der persönlichen Beziehungen. Vor allem die Familie wird immer wieder als zentral fürs eigene Lebensglück hervorgehoben. Die Kirche solle den Menschen in diesen Lebensbereichen näher sein. Christsein heißt besonders Gemeinschaft zu leben, den Glauben zu teilen und einander zu stärken in den Herausforderungen des Lebens.
  • In vielen Aussagen wird mehr Gleichberechtigung zwischen Priestern und Laien, vor allem auch im Hinblick auf Frauen, eingemahnt. Aus Sorge, dass die Seelsorge in Zukunft nur mehr ein Stückwerk sein werde, aber auch aufgrund der Menschenrechte erwarten sich viele mutige Schritte auf dem Weg zur gleichberechtigten Öffnung des kirchlichen Amtes für Männer und Frauen, Unverheiratete und Verheiratete.
  • Deutlich ist die Erwartung, dass der Glaube ohne Bevormundung verkündet und ehrlich, einladend und mit Freude bezeugt wird. Nur so wird er ein Weg zu einem guten Leben, zu Glück und Zufriedenheit.
  • In vielen Fragebögen wird die Sorge geäußert, wie der Schatz des Glaubens an die nächste Generation weitergegeben werden kann.

Mische mit bei den pfarrlichen Konzilstreffen!

Die Ergebnisse der Fragebögen und der vier Podiumsdiskussionen „Die Zeichen der Zeit erkennen“ haben wir in sogenannten „Wegmarkierungen“ (siehe: Wegmarkierungen) zusammengefasst.

Bei den Kofelwallfahrten haben wir in diesen Anliegen gebetet. Diese „Wegmarkierungen“ sind auch Gesprächsgrundlage für die Konzilstreffen in den Pfarren unseres Dekanates im Herbst. Dazu brauchen wir auch dich mit deinen Anliegen, Ideen und Modellen für den künftigen Weg des Christseins und der Kirche bei uns und darüber hinaus!
Herzliche Einladung zum Konzilstreffen der Pfarre Hl. Familie Lienz “einMISCHEN – aufMISCHEN – MISCHEN possible” am Freitag, 08. November, 19.30 Uhr im Pfarrsaal. Die Beiträge dieser Treffen fließen am 29. März 2014 beim dekanatlichen Konzilstag ein. Aus Anlass des 50-jährigen Diözesanjubiläums wird dazu unser Generalvikar kommen.

Zeichen der Zeit: Gott wirkt heute in unserer Welt

Oft getrauen wir uns erst zu hoffen, dass Gott in unserem Leben wirkt, wenn wir viel gebetet haben. Jesus sagt uns im Evangelium: Das Reich Gottes, SEIN heilsames Handeln ist dir nahe, Gott unser Vater ist mehr am Werken als alles Andere. Wichtiger als ihm zu sagen, wo er handeln solle, ist es vertrauensvoll und wach zu schauen, wo ER in meinem Leben und in unserer Zeit schon wirkt. Wenn wir also um die Erneuerung der Kirche beten und ringen, ist es vor allem wichtig, aufmerksam zu schauen, wo Gott diese Erneuerung bereits in oft noch kleinen Ansätzen durch Menschen schon angebahnt hat. Jesaja lässt Gott in Kap. 43,19 deshalb sagen: „Seht, ich schaffe Neues! Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“ Und in der Offenbarung des Johannes 2,7 steht: „Hört, was der Geist den Gemeinden sagt!“

Vertrautes Gespräch mit Gott

Edith Stein war eine gebürtige Jüdin und eine scharfsinnige atheistische Philosophieprofessorin. Sie, die später zur Zeit des Nationalsozialismus in den Karmel eingetreten ist, erzählt aus der Zeit, in der sie noch nicht zum Glauben gefunden hatte:

„Wir traten für einige Minuten in den Dom und während wir dort verweilten, kam eine Frau mit dem Marktkorb herein und kniete zu einem kurzen Gebet in einer Bank nieder. Das war für mich etwas ganz Neues. In die Synagogen und in die protestantischen Kirchen ging man nur zum Gottesdienst. Hier aber kam jemand mitten aus den Werktagsgeschäften in die menschenleere Kirche wie zu einem vertrauten Gespräch. Das habe ich nicht vergessen können.“

Wir haben am 8. September mit großer Dankbarkeit das 50-jährige Jubiläum unserer Pfarrkirche gefeiert. Es ist schön darum zu wissen, dass sie ein besonderes, bewohntes Haus ist. Stunde für Stunde. Jahrein, jahraus. Auch wenn sie menschenleer ist. Jesus Christus wohnt hier. Im eucharistischen Brot der Kommunion ist er gegenwärtig. Bereit uns zu hören. Damit wir nicht vergessen: ER lädt uns ein zum vertrauten Gespräch, auch im Alltag, jederzeit.

Bernhard Kranebitter, Dekan

“Wir sind Papst” – Wir sind Behüter!

Karoline Eder rWir haben einen neuen Papst. Viele freuen sich und jubeln, spüren, dass eine neue Zeit anbricht. Doch dieses Neue, dieser Ruf, dem er folgt, das Programm, das er sich auferlegt hat, das in seinem Namen Franziskus zusammengefasst ist, ist die Berufung zu HÜTEN. Diesen Ruf erkennt unser neuer Papst auch im Hl. Josef, an dessen Fest er gepredigt hat:

„Wie er (Christus) die Arme ausbreiten muss, um das ganze Volk Gottes zu hüten und mit Liebe und Zärtlichkeit die gesamte Menschheit anzunehmen, besonders die Ärmsten, die Schwächsten, die Geringsten, …“

Das ist sein Programm, diese Berufung ist aber auch uns allen aufgetragen.
Auch „wir sind Papst“, jeder Christ ist berufen, ein „Hüter“ zu sein.

Papst Franziskus01„Die Berufung zum Hüten …besteht darin, … die Menschen zu hüten, sich um alle zu kümmern, um jeden Einzelnen, mit Liebe, besonders um die Kinder, die alten Menschen, um die, welche schwächer sind und oft in unserem Herzen an den Rand gedrängt werden. Sie besteht darin, in der Familie aufeinander zu achten: Die Eheleute behüten sich gegenseitig, als Eltern kümmern sie sich dann um die Kinder, und mit der Zeit werden auch die Kinder zu Hütern ihrer Eltern. Sie besteht darin, die Freundschaften in Aufrichtigkeit zu leben; sie sind ein Einander-Behüten in Vertrautheit, gegenseitiger Achtung und im Guten. Im Grunde ist alles der Obhut des Menschen anvertraut, und das ist eine Verantwortung, die alle betrifft. Seid Hüter der Gaben Gottes!“

Diese Berufung, dieses Programm sollten wir uns jeden Tag vor Augen halten. Es bedeutet nicht irgendwelchen Verpflichtungen nachzukommen, moralische Ansprüche zu erfüllen, nach außen hin ein frommes Leben zu führen oder ein halbwegs ordentlicher Mensch zu sein.
Nein, es fordert dich und mich heraus, zärtlich und mutig jedem zu begegnen: meinen Nachbarn, meinen Kollegen, meinen Freunden und meinen Feinden, dem, der auf der Straße steht genauso wie dem, neben dem ich im Kaffee-haus sitze, der Kellnerin genauso wie dem Lehrer gegenüber, dem Nächsten genauso wie jedem Fremden gegenüber.

Mit Mut und Zärtlichkeit auf jeden zugehen, das könnte unser Leitsatz sein.

Doch Paul Zulehner hat bei einem Vortrag vor den Pfarrgemeinderäten im März schon treffend gemeint: „Wir gehen in die Hl. Messe, bringen unsere Gaben nach vorne, wir beten, WANDLE DIESE GABEN, sind aber nicht bereit, unser eigenes Herz oder unser Leben wandeln zu lassen.“

Solange wir uns selbst nicht wandeln lassen, solange wird sich die Kirche auch nicht verändern. Der Jubelruf über den Papst wird erlöschen, alles wird wieder beim Alten sein.

Karoline Eder

verhüllen – enthüllen – entdecken

Bernhard Kranebitter, DekanKreuz und quer zur Gewohnheit

Künstler und die österreichische Bischofskonferenz haben für das Jahr des Glaubens angeregt, in der Fastenzeit Kreuze in der Öffentlichkeit zu verhüllen. In Lavant, Leisach und Lienz-Hl. Familie werden wir deshalb ab dem Aschermittwoch markante Kreuze im Dorf bzw. in der Stadt hinter violettem Tuch verbergen. Am Karfreitag werden sie dann als Station eines Kreuzweges feierlich enthüllt.

Offenbarung durch Verbergen

„Weißt du, wie das Kreuz dort an der Kreuzung genau ausschaut, das schon seit Jahrzehnten dort steht?“ Wenn ich mich selbst das frage, muss ich sagen: „Ich nicht. Ich habe es mir nie genau angesehen.“ Die Gewohnheit macht unser Sehen blind. Deshalb hat der weltbekannte Künstler Christo 1995 den Reichstag von Berlin verhüllt. Um damit zu sagen: Mit deinem jetzt gestörten Blick entdecke neu das verborgene Wertvolle!

Verhülltes Kreuz„Seht das Kreuz …“

In der Kirche war es eine alte Tradition, in der Fastenzeit den ganzen Altarraum mit dem Altar während dem Gottesdienst hinter einem Fastentuch zu verbergen. Davon geblieben ist seit dem Mittelalter das Verhüllen der Kreuze und aller Bilder des Auferstandenen. Im Karfreitagsgottesdienst beim Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu wird so ein Kreuz in drei Stufen enthüllt. Heuer wird das in Lavant, Leisach und in der Hl. Familie auch an öffentlichen Kreuzen im Rahmen der Familien- und Kinderkreuzwege zur Sterbestunde Jesu um 15.00 Uhr geschehen.

Passion und com-passion

Die Darstellung des Gekreuzigten will uns zuerst herausreißen aus der Blindheit und der Unberührtheit gegenüber dem Leid um uns und in der Welt. Jesus hat sich vom Leid und der Not der Menschen treffen lassen. Heute und zu allen Zeiten trägt er mit uns die Last des Lebens. Und er sagt: Wer Augen hat, der sehe und stehe den Notleidenden bei – in der Familie, bei Kranken an Leib und Seele, bei ungerecht Behandelten, …
Im Englischen heißt diese helfende Leidenschaft für Menschen in Not: com-passion.

„Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt!“

Diese Worte singt der Priester bei den drei Stufen der Kreuzenthüllung. Das gibt eine Ahnung davon, dass Jesus Christus alle Menschen wichtiger waren als das eigene Leben. Da er uns in seiner Liebe so gut „leiden“ kann, lässt er sich das sein Leben kosten. Er hat das eigentlich Unverzeihliche nicht mit Hass und Rache erwidert, sondern mit dem Ruf: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“. Als Auferstandener kommt er uns entgegen mit seinem: „Der Friede sei mit euch!“

entdecken

Ich wünsche uns…

  • offene äußere und innere Augen für das Verhüllte in dieser Fastenzeit,
  • eine Neuentdeckung unseres gewohnten und geheimnisvollen Glaubens,
  • die Erfahrung des Getragenwerdens im Leid von Menschen und Gott,
  • das rechte Gespür dafür, wer unsere leidenschaftliche com-passion braucht.

Ich wünsche uns die österliche Enthüllung der Frohbotschaft der Auferste-hung in einer geschenkten Begegnung mit diesem Jesus Christus! Halleluja!

Bernhard Kranebitter, Pfarrer

Privatpersonen, die auch ihr Kreuz zu Hause verhüllen wollen, können sich wegen Stoff bzw. Material an das Pfarrbüro in der Hl. Familie (Tel. 63012) wenden.
Schicken Sie uns bitte Ihre Gedanken und Entdeckungen zu „verhüllen – enthüllen“ unter pfarre.heiligefamilie@dibk.at Danke!

Was mich bewegt

Daniela BrunnerDas Schöne am Leben ist: es ist ein Kreislauf, der bekannt ist. Es gibt ein Kommen, aber auch ein Gehen. Nach jedem Winter kommt der Frühling, ein Samen stirbt und gebiert aus sich heraus neues Leben. Wir leben in einer schönen Zeitzone, die uns gerade diesen Kreislauf in Form der Jahreszeiten immer wieder neu entdecken lässt.

Die Tage sind nun schon wieder um einiges länger, und trotzdem überkommt mich mit Beginn der Fastenzeit das Gefühl, dass irgendwie in mir Herbst wird. Weihnachten hatte doch erst dieses schöne Gefühl von der wohligen Wärme des Sommers in mir ausgebreitet. Wieso sich jetzt also wieder auf diesen inneren Herbst einlassen? Es beginnt eine Zeit der Trockenheit, eine Zeit, in der ich mir bewusst Zeit nehme, meinen inneren Haushalt aufzuräumen, mir meiner Schuldgeschichte bewusst zu werden. Auch im Herbst mache ich im Garten und rundherum alles sauber, alles winterfest. Wieso also nicht auch in mir?

Nach diesem inneren Ordnen in der Fastenzeit kommt nun der Winter. Das Samenkorn stirbt in der fruchtbaren Erde. Gott opfert seinen geliebten Sohn für uns. Das Licht, das doch soeben erst zu Weihnachten zu uns gekommen ist, erlischt für einen Augenblick. Alles wird still. Er nimmt uns unsere Last ab.

Und dann durchbricht der Frühling mit aller Kraft die Kälte des Winters. Christus – das Licht der Weihnacht – erstrahlt noch heller aufs Neue. Das Samenkorn treibt aus und bringt reiche Frucht. Der Gottessohn ersteht auf und gibt uns ungeahnte Hoffnung.

Ich darf mich in ihm erlöst sehen.

Daniela Brunner

Predigt 1. Jänner, Weltfriedenstag: Zukunft des Bundesheeres

Predigt:
Anlässlich des Weltfriedenstag am 1. Jänner hat Papst Benedikt die heurige Botschaft dazu mit der Seligpreisung überschrieben: „Selig die Frieden stiften, denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden.“
Dabei geht er davon aus, dass jeder, der sich für das gemeinsame Wohl von Menschen einsetzt, für Gerechtigkeit, Schöpfungsverantwortung und Liebe, ein Friedensstifter im ganzheitlichen Sinn ist.
Für uns in Österreich steht in drei Wochen die Volksbefragung über die künftige Form des Bundeheeres bevor. Eine wichtige Entscheidung für Sicherheits- und Verteidigungspolitik für den Einsatz für Frieden und über 6 bzw. 9 Monate des Lebens künftiger Präsenzdienstpflichtiger jungen Männer.
Der Text, auf den sich die Regierung geeinigt hat lautet: „Sind Sie für die Einführung eines Berufsheeres und eines bezahlten freiwilligen Sozialjahres? oder Sind Sie für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht und des Zivildienstes?“
In der Kirche gibt es dazu keine einheitliche Meinung. Deshalb sind folgende Überlegungen zwar aus der Perspektive der kath. Soziallehre, aber doch meine persönlichen Ansichten, die auch zu Widerspruch einladen. Vor allem ist wichtig: Setzen wir uns verantwortungsbewusst mit dieser wichtigen Frage auseinander!
1. Aus der Perspektive der Sicherheits- und Friedenspolitik: Die neue Sicherheitsstrategie für Österreich aus dem Jahr 2011 spricht davon, dass „konventionelle Angriffe gegen Österreich bis auf Weiteres unwahrscheinlich geworden“ sind. Hingegen gibt es globale „Herausforderungen, Risiken und Bedrohungen wie terroristische Angriffe, Gefährdung der Nahrungs- und Energieversorgung, Gerechtigkeitskonflikte …“ Keine dieser Probleme kann mit traditionellen Massenarmeen gelöst werden. Diese sind für die Verteidigung von Grenzen und Territorien gedacht. Zur Bewältigung der neuen Aufgaben sind in jedem einzelnen Bereich gut ausgebildete Spezialisten erforderlich.
2. Ein demokratiepolitisches Argument: Ich war auch länger der Meinung, die Allgemeine Wehrpflicht mache das Heer zivilisierter durch den immer neuen Eintritt von Menschen aus den eigenen Familien, aus der Nachbarschaft. Eine Regierung schicke die eigenen Leute weniger leichtfertig in militärische Auseinandersetzungen als eine Profitruppe, die ja dafür bezahlt und ausgebildet wird. – Dagegen wird aber verwiesen, dass die Weltkriege, dass ein Hitler nur deshalb den totalen Krieg führen konnte, weil es die allgemeine Wehrpflicht gab, weil alle militärisch ausgebildet waren und so die Mehrzahl zu den Waffen gerufen werden konnte. Ein Berufsheer kann strengere Zugangsbedingungen aufstellen, besser ausbilden und so wie bei der Polizei klarer einüben, dass kein Missbrauch mit Waffen und Gewalt ausgeübt wird. Es besteht die Chance, dass wenn die Mehrzahl der Jugend heute gar nicht erst mit der Waffe ausgebildet wird, das die innere Gewaltbereitschaft senkt. Das zivilisierende Element bei einem Berufsheer würden die Milizsoldaten einbringen.
3. Ein pädagogisches Argument: Es tut jungen Menschen gut, zu lernen sich ein unterzuordnen, Disziplin und Kameradschaft zu lernen, mit Menschen der unterschiedlichsten sozialen Herkunft auskommen zu lernen. – Dagegen steht meine eigene Präsenzdient-Erfahrung beim Bundesheer: ich habe während meiner Zeit im Bundeheer weniger als in allen anderen Jahren meines Lebens das Gefühl gehabt, wirklich den Menschen zu dienen, Österreich zu dienen, nicht die Erfahrung gemacht wirklich an mir und überhaupt arbeiten, fürs Leben zu lernen, habe von damals keine Vorbilder für mein Leben bekommen. Ich habe nur gewusst, so eine sinnentleerte Zeit pack ich für den Rest meines Lebens nicht mehr, ich muss etwas finden, wofür ich mich sinnvoll einsetzen kann. Ich musste erfahren, wie anfällig wir Menschen für den Missbrauch von Autorität sind. Das war in vielem eine Negativschule. Es war aber eine Realitätsschule in die Härten des auch unmenschlichen Lebens. Ich betone aber, dass ich inzwischen, auch hier in Lienz, Verantwortliche des Bundesheeres kennengelernt habe, deren Einstellung und Menschlichkeit ich sehr schätze und denen ich zutraue, jungen Menschen positive Leitbilder zu sein.
4. Das Argument der Finanzen: Laut „Profil“ ist ein Berufsheer kostengünstiger, weil der große Aufwand und Apparat für die Ausbildung bei jedem Einrückungstermin wegfallen könnte. Wenn für die ersparten Kosten allerdings bezahlte einjährige soziale Jobs geboten werden haben viele Freiwilligeneinrichtungen große Bedenken, dass damit die Freiwilligkeit und Ehrenamtlichkeit untergraben werde.
5. Das Argument Solidaritätsdienst: Falls die allgemeine Wehrpflicht fällt, wird es auch den so positiven Zivildienst nicht mehr geben. Damit fällt, was ein verpflichtender Solidaritäts- bzw. Gemeinschaftsdienst ist. Frieden, Gerechtigkeit und Gemeinschaft sind im Leben NIE billig zu haben. Unseren heutigen äußeren Frieden und den inneren sozialen Frieden haben viele mit dem Einsatz ihres ganzen Lebens für uns erworben. Dieses hohe Gut können wir nur erhalten, wenn jede Generation mit vollem Einsatz für das Gemeinwohl einsteht. Mit dem Pochen allein auf Rechte, mit dem einseitigen Ausleben eines angenehmen konsumorientierten Lebens, mit dem Vergessen auf die Pflichten gegenüber dem Wohl der Gemeinschaft, beginnt das Ende des Frieden.
6. Eine Alternative, die leider nicht zur Diskussion steht: Aufbauend auf die guten Erfahrungen des Zivildienstes müsste es meiner Meinung eine Drehung des heutigen Systems geben. Statt der Allg. Wehrpflicht und dem Ersatzdienst Zivildienst, müsste es einen allgemeinen Zivildienst/Solidartätsdienst/Gemeinschaftsdienst/Österreich-dienst – oder wie immer er heißt – geben, in dessen Rahmen man sich auch, aus eigener Überzeugung, zum Wehrdienst melden kann. Junge Männer sollten sich dann zu einer noch breiteren Palette von Diensten an der Gemeinschaft melden können: zu Rettung, zur Feuerwehr, Lebenshilfe, in Wohn- und Pflegeheime, Friedensdiensten, zu zivilen Katastrophendienst, zu Auslands- und Entwicklungshelferdiensten, zu Diensten in Kirchen, Menschenrechts- + Umweltorganisationen sowie anderen sozialen Einrichtungen. Dort erhalten sie eine gediegene Ausbildung und Einsatzmöglichkeit. Wichtige Erfahrungen für ihr weiteres Leben, Entscheidungshilfen für ihre Berufswahl und ein weites Feld für sinnvolle weiteren ehrenamtlichen Einsatz. Dann sollten nicht mehr 2/3 der jungen Männer beim Bundesheer die Ausbildung machen, sondern der Großteil setzt sich dann auf zivilen Gebieten ein, was einem umfassenden, ganzheitlichen Frieden-stiften besser dient.
Dieses Modell kann ich mir zwar bei der Predigt wünschen, aber es steht am 20. Jänner (noch) nicht zur Diskussion. Unsere Verantwortung ist es, uns wirklich auseinanderzusetzen mit diesen wichtigen Fragen für den inneren und äußeren Frieden. Wichtig ist es auch zur Wahl hinzugehen: ob man dann weiß stimmt, weil die Fragestellung unbefriedigend ist, ob man für die erste oder für die zweite Variante stimmt. Ebenso wichtig wie die inhaltiche Frage ist es, wie respektvoll man im Ringen mit den Vertretern anderer Überzeugungen umgeht. Selig die Frieden stiften, denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden. Amen.
Bernhard Kranebitter, Dekan

Fest Hl. Familie, Predigt

Fest Hl. Familie, 30.12.2012
Predigt:
Wer bei der Adventlesung mit Barbara Stöckl war, kann sich wahrscheinlich an folgende Zeilen eines Textes erinnern, den sie vorgelesen hat:
„Weihnachten ist das Heimatfest der Seele. Und ich wünsche mir, dass wir auf die Weihnachtszeit zugehen, als wenn es endlich nach Hause ginge.
Darf ich Ihnen einen Tipp geben, wie Sie für sich das Weihnachtsfest zu einer tiefen seelischen Erfahrung machen können? … Gut! …
Sie sollten sich in der Weihnachtszeit einen Ort und eine Zeit reservieren, wo Sie auf die Knie gehen. Ja, niederknien! – Was das soll? – Wenn Sie Weihnachten erleben wollen, dann muss es auch Ihr Körper erleben. Der ist schließlich mit dabei. Der kann nicht nur futtern. Der kann auch beten. Die Seele können Sie nicht zwingen, etwas zu tun oder zu lassen oder zu fühlen, aber den Körper. Der soll einmal testen, was passiert, wenn er macht, was alle Beteiligten der Weihnachtsgeschichte machen. Ob sie nun Hirten sind oder Könige, Kinder oder Erwachsene, Maria oder Josef. Sie alle knien. Also tun Sie es ihnen einfach einmal nach. Knien Sie nieder. Es muss ja keiner sehen. Und wenn Sie es tun, dann schauen Sie aus dieser stillen Kinderperspektive auf Ihr Leben zurück. Schauen Sie einmal, wo Sie nicht nur größer geworden sind im Leben, sondern kleiner. Wer das Ziel des Lebens erreichen will, erreicht es nicht als großer Sieger. Sondern nach dem Motto: Ich habe Mächte gespürt, die stärker waren, und ich habe gelernt, ich habe um Hilfe gerufen, ich habe gedankt. Man sah mich auf den Knien.

Wer vor allem vor Gott staunend knien kann, der darf und soll es auch bei Menschen tun. Niederknien z. B. auch bei den eigenen schlafenden Kindern. Nicht um sie zu kleinen verwöhnten Paschas und Prinzessinnen mit überspannten Ansprüchen heranwachsen zu lassen. Sondern um sie als die großen Geschenke des Lebens anzuerkennen, mit allen Schwierigkeiten, mit allen Lasten und Einschränkungen die sie mit sich bringen. Dasein in großer Dankbarkeit für sie. Dankbar staunen, dass sie sind, mit der Würde die sie als eigenständige Persönlichkeiten vor Gott haben.

Es tut auch einmal gut zu knien bei Eltern und Großeltern. Das ist ja schwieriger als bei den Kindern, weil sie oft einen so leichten Schlaf haben. So kann man sie kniend in Gedanken herholen. Denn ich habe mir nicht selbst das Leben gegeben, ich habe es von ihnen empfangen. Knien bei Eltern und Großeltern, besonders wenn sie schon gebrechlich geworden sind. Die Dichterin Friederike Mayröcker hat ihren langjährigen Partner Ernst Jandl bis zuletzt gepflegt. Nach dessen Tod wurde sie gefragt, ob es denn nicht deprimierend sei, mit ansehen zu müssen, wenn ein Mensch, der nichts mehr halten kann, nach und nach seine Würde verliert. Ihre Antwort: Er hat in dieser Phase an Würde gewonnen (Requiem für Ernst Jandl). Die Würde des Menschen erkennen und anerkennen, beschützen und behüten gerade am hilflosen Beginn und Ende des Lebens.

Dankbar niederknien kann man heute am Fest des Patroziniums unserer Pfarre Zur Heiligen Familie auch bei dieser Gemeinschaft der Pfarrgemeinde. Ich will mir Weihnachten nicht vorstellen ohne Ministranten, ohne Chor und Orgel, ohne Rorate und Bazar, ohne Krankenbesuche und Kindergottesdienst, ohne Kirche, ohne euch! Das wäre ein Black out an Licht und Gemeinschaft. Staunender können wir Dank sagen für das, was Gemeinschaft im Glauben ist.

„Jetzt zu Weihnachten ist Gelegenheit, das Kleinwerden dankbar zu üben. Das Leben, das so viel größer ist als ich, will uns auf den Knien sehen. Nicht um uns zu besiegen. Es will uns lehren, das ganze Leben anzunehmen, staunend, dankbar wie ein Kind ein geheimnisvolles Geschenk.“ Denn da ist einer, der liebevoll auf uns achtet. Deshalb kann ich beten und die Menschen dankbar achten und nach Kräften behüten. Damit Augen leuchten. Amen.
Bernhard Kranebitter, Dekan

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