Allerheiligenpredigt 2016

Allerheiligen, 30.10.2016

Wir alle kennen die Angst, nicht bestehen zu können: bei einer Prüfung, vor den Herausforderungen am Arbeitsplatz oder in der Familie, in einer Liebesbeziehung. Wie kann ich bestehen in den Herausforderungen des Lebens? Wie kann ich bestehen im Sterben? Wie, wenn ich aufhöre zu bestehen?  Oder gibt es dann nichts mehr zu bestehen?

Wenn ich bei Schwerkranken bin, Menschen die dem Tode nahe sind, wollen die Worte oft nicht passen. Ich versuche zu spüren, ob für diesen Menschen ein Lied passt und welches. Wenn jemand recht vertraut ist mit Kirchenliedern, passt oft jenes, dessen erste Strophe Martin Luther nach dem Brief des Apostels Paulus Kap 14 Vers 8 geschrieben hat und evangelische wie katholischen Christen singen:

Jesus, dir leb ich,
Jesus dir sterb ich,
Jesus dein bin ich,
im Leben und im Tod.

Wem der Inhalt des Liedes nicht vertraut ist, vielleicht als Kommunionlied, den wird es mitten im Leben leicht überfordern. Aber im bewussten Zugehen auf das Sterben beginnt es für nicht wenige Menschen zu leuchten:

Was aber, wenn ich die Aussage des Liedes nicht glauben kann?

Es gibt von der jüdischen Dichterin und Nobelpreisträgerin Nelly Sachs ein Gedicht, das mit „Gebet“ überschrieben ist. Es ist so etwas wie ein Gebet, wenn einem der Glauben abhandengekommen ist. Darin heißt es:

Herr (wenn es dich gibt),
ich kann nicht beten,
denn ich habe zu viele Gebete gehört,
die nur Worte waren,
und sie machten mein Herz krank
vor Traurigkeit.

Herr (wenn es dich gibt),
ich kann nicht danken,
denn:
wenn ich dir danke,
weil ich satt bin,
muss ich dir zum Vorwurf machen,
dass Millionen hungern,
wenn ich dir danke,
dass ich gesund bin,
muss ich dir zum Vorwurf machen,
dass Millionen siechen,
wenn ich dir danke,
dass ich glücklich bin,
muss ich dir zum Vorwurf machen,
dass Millionen verzweifeln,
denn du bist allmächtig,
heißt es
in den Büchern.

Herr (wenn es dich gibt),
ich kann nicht beten,
ich kann nicht danken,
ich kann nicht glauben.
Nelly Sachs will ihr Nicht-Glauben jemandem sagen, – und sie findet einen Adressaten, dem sie das anvertrauen will. Der Gott, an dessen Existenz sie nicht glauben kann, er ist/bleibt ihr Ansprechpartner. In der Weise von Nelly Sachs könnte das Lied so lauten:

Gott, (wenn es dich gibt) dir leb ich, Gott, (wenn es dich gibt) dir starb ich, Gott (wenn es dich gibt) dein bin ich im Leben und im Tod.

Nüchtern betrachtet ist das die einzige Chance im Sterben bestehen zu können. Aus eigener Kraft können wir nicht bestehen, sie stirbt. Bestehen können wir nur, wenn wir in eines Ewigen Kraft weiterbestehen.

Das Evangelium ruft uns zum Vertrauen dazu auf. Der die gekreuzigte und auferstandene Liebe Gottes unter uns ist sagt zu uns: Mensch, dir leb ich, Mensch dir starb ich, Mensch, dein bin ich im Leben, Sterben und Auferstehn!

So beten viele vertrauensvoll für ihre verstorbenen Angehörigen mit der zweiten Strophe des Liedes: „Herr, sei ihnen gnädig, sei ihnen barmherzig, führ sie oh, Jesus, in deine Seligkeit!“

Paulus sagt: Ob wir leben oder sterben, wir gehören wir dem Herrn! Es wäre schade, wenn wir auf das erst im Sterben setzen. Welche Freude, wenn wir schon jetzt mitten im Leben darauf setzen. Der uns im Sterben bestehen lässt, der lässt uns erst recht im Leben bestehen. Der uns die ewige Freude in der Gemeinschaft der Heiligen und unserer vorausgegangenen Angehörigen schenken will, will uns von dieser Freude der Gemeinschaft, mit Ihm schon jetzt schenken. Die Tür dazu öffnet sich uns in einem Leben nach dem Evangelium, seiner Heilsbotschaft und seinen Seligpreisungen und im Geschenk des „Miteinander-Zu-Ihm-Gehörens“ im Empfangen der Kommunion, Seinem Brot der Fülle Lebens. Amen.

Bernhard Kranebitter, Pfr.

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Zachäus und 500 Jahre Reformation

Predigt zum 31. Sonntag C, 30.10.2016

Viele beschäftigt es schon, wenn der Ehepartner, die Kinder, die Enkel nur sehr selten mehr zur Sonntagsmesse gehen. Und natürlich plagt es auch mich, wenn der Gottesdienstbesuch in Österreichs Pfarrgemeinden sich innerhalb von etwa 15 Jahren halbiert hat und von einem Erstkommunionjahrgang in unserer Pfarre gerade noch ein Kind zum Sonntagsgottesdienst kommt, als Ministrant.

Aber es tut auch im Blick auf eine neue IMAS Umfrage eine kirchliche und familiäre Lockerungsübung gut: Von denen, die nicht regelmäßig zum Gottesdienst gehen sagen 27% der Menschen von sich, dass sie doch treu zur Kirche halten, obwohl ihnen an ihr manches nicht gefällt, und 41% dass sie sich als Christ fühlen, obwohl ihnen die Kirche nicht viel bedeutet,

Solchen Menschen, die keine Synagogengänger waren, keine Kirchgänger sind, ist Jesus immer wieder nachgegangen – wie dem Zachäus!

Zachäus auf dem Maulbeerfeigenbaum: ein treffendes Bild für viele Menschen die religiös neugierig sind, aber distanziert. Die wie Zachäus gerne sehen würden, wer dieser Jesus wirklich ist, aber ohne dabei selbst gesehen zu werden. Lieber auf Distanz bleiben: hinten in der Kirche stehen, oder vor der Kirche draußen, oder noch weiter weg … Distanz und Widerstände haben unterschiedliche Geschichte, Erfahrungen und Gründe.

Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte nicht: „Zachäus, komm schnell herunter, wird Zeit, dass du endlich einmal zur Synagoge kommst: Sondern: Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“ Zachäus soll nicht zu ihm kommen, sondern Jesus kommt zu ihm.

Auch bei mir interessiert Jesus, was mich auf Distanz gehen lässt zum Glauben und zur Kirche. Er will dort bei mir Gast sein. Er selbst hat sich fremd gefühlt bei der unfruchtbaren Frömmigkeit der Pharisäer und war zu Hause bei denen am Rande des religiösen Systems. Er „umarmt“ sozusagen unsere Widerstände, unser Nicht-Glauben-Können, das unserer Familienangehörigen, das der anderen Pfarrangehörigen und öffnet so Wege zu neuem Vertrauen.

Am Montag, 31.10.2016, dem Reformationstag, feiert unser Papst Franziskus um 14.00 Uhr im schwedischen Lund mit Vertreterinnen und Vertreter des Lutherischen Weltbundes um dessen Präsidenten Bischof Munib Younan von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Jordaniens und des Hl. Landes einen ökumenischen Gottesdienst. Anlass: Beginn des Gedenkjahres 500 Jahre Reformation durch Martin Luther.

So sehr im Laufe der Geschichte die Reformation, die gescheiterte innerkatholische Reform und die Gegenreformation Kirchenspaltung, Kriege und viel Leid brachten, war ihr Ursprung und ihre Grundanliegen ein Ereignis der Gnade Gottes. Martin Luther war Augustinermönch in Erfurt, promovierte 1512 29-jährig zum Doktor der Theologie und wurde Professor für Bibelwissenschaften in Wittenberg. Er wurde von großen Gewissensnöten gepeinigt und von der Angst, vor Gott im Jüngsten Gericht nicht bestehen zu können. Die höchsten Ansprüche stellte er an sich selbst und war tief verzweifelt, dass er ihnen nicht genügen konnte. Es dürstete ihn nach jener Gnade, für die er sich nicht würdig hielt. Seine existentielle Frage war: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“

Martin Luther teilte damit die Angst vieler Menschen der damaligen Zeit. Denn viele Predigten schürten die Angst vor der ewigen Verdammnis. Höllenszenen und die Qualen des Fegefeuers wurden sehr plastisch in kleinen Theaterstückchen dargestellt. Der Ablasshandel der Kirche blühte. Martin Luther war jedoch zutiefst davon überzeugt, dass Gott sich nicht durch ein paar Münzen bestechen lässt. Aber wie, wie konnte er Gott denn dann gnädig stimmen, wenn die eigenen guten Werke nie reichen würden?

Martin Luther studierte die Bibel, besonders den Römerbrief Kap 1,17. In seinem „Turmerlebnis“ erkannte er, „Gott schenkt seine Gnade – nicht, weil der Mensch ihn gnädig stimmen kann, nicht, weil der Mensch gute und fromme Werke tut, sondern weil Gott von sich aus gnädig ist. Zuerst und zuletzt aus Gnade und aus deren Annahme im Glauben wird der Mensch von Gott gerecht, freigesprochen, gerettet. Wir brauchen ihn nicht barmherzig stimmen: Sein Wesen ist zuvorkommende Barmherzigkeit.

Für Luther war diese Entdeckung lebensrettend und lebensweisend. Gott hat sich entschieden, gnädig zu sein. Nicht nur einem bestimmten Personenkreis, sondern jedem Menschen.

In der Folge zerbrach in der Auseinandersetzung über der Rechtfertigungslehre die Einheit der katholischen Kirche – und die evangelische Kirche entstand.

Am 31. Oktober 1999 unterschrieben der Lutherische Weltbund und die Katholische Kirche die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, mit einem gemeinsamen Verständnis unserer Rechtfertigung durch Gottes Gnade im Glauben an Jesus Christus. „Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt -, nicht aufgrund eurer Werke. Eph 2,8,f  Gott nimmt uns an und sein Heiliger Geist befähigt uns zu guten Werken.

Bernhard Kranebitter, Pfr.

Herz Jesu Predigt

Hoch über dem Marktplatz einer kleinen Stadt hatte ein Seiltänzer sein Seil gespannt und machte dort oben unter den staunenden Blicken vieler Zuschauer seine atemberaubenden Kunststücke. Gegen Ende der Vorstellung holte er einen Schubkarren hervor und fragte einen der Anwesenden: „Sagen Sie, trauen Sie mir zu, dass ich den Karren über das Seil schiebe?“

„Aber gewiss“, antwortete der Gefragte fröhlich, und auch mehrere andere der Umstehenden stimmten der Frage sofort zu.

Auch, dass ich darin einen Menschen hinüber fahren kann?  Mh? Ja!

„Würden Sie sich dann meiner Geschicklichkeit anvertrauen, sich in den Karren einsteigen und von mir über das Seil fahren lassen?“ fragte der Schausteller weiter.

Da wurden die Mienen der Zuschauer ängstlich. Nein, diesen Mut brachte keiner auf! Nein, das trauten sie sich und ihm nicht zu.

Plötzlich meldete sich ein Bub. „Ich setze mich in den Schubkarren“, rief er, kletterte hinauf, und unter dem gespannten Schweigen der Menge schob der Mann das Kind über das Seil. Als er am anderen

Ende ankam, klatschten alle begeistert Beifall. Einer aber fragte den Jungen: „Sag, hattest du keine Angst da oben?“

„Oh nein“, lachte der, „der mich über das Seil schob, ist ja mein Vater!“

Es gibt Situationen im Leben, da steht unser oft leichthin ausgedrücktes Vertrauen auf dem Prüfstand. So auch 1796 für die Verantwortlichen von Tirol. Die französischen Truppen rückten heran. Der Ausschuss der Tiroler Landesstände mit dem Landeshauptmann stellten in Bozen fest, dass man für so einen Ansturm in keiner Weise gerüstet war. Alles dem Unheil überlassen? Da erinnerte der Stamser Abt Sebastian Stöckl daran, wie man 1703/1704 (beim Bayerischen Rummel) gegen Kriegsgefahr die Hilfe Gottes angerufen hatte. So wurde damals entschieden, sich und die bedrohte Bevölkerung des Landes Tirol in einem feierlichen Verlobnis dem Schutz und Segen des Himmels anzuvertrauen. Um die Verteidigung des Landes zuwege zu bringen, wurde auch der Beschluss gefasst, dass in alle Zukunft jährlich das Fest des heiligsten Herzens Jesu im ganzen Lande mit einem feierlichen Gottesdienst begangen werden sollte.

Es hat eine Entscheidung zu Vertrauen und Mut gebraucht: alle gemeinsam einzusteigen in das Vertrauen, dass dieses Unternehmen der Verteidigung der Freiheit von Land und Glaube von dem gestärkt wird, der unser Vater ist, und gesegnet wird von Jesus und seinem offenen Herzen für die Bedrängten.  Wie sehr das eine Frage des Gottvertrauens war und des Vertrauens, ob wir Menschen Jesus wirklich ein Herzensanliegen sind – kommt im Wort – Verlöbnis – zum Ausdruck. Die Vertreter der Landestände traute der Bundestreue Gottes – „verlobten“ sich ihrerseits mit Vertrauen und auf Zukunft IHM an.

Auch im persönlichen Leben steht jeder von uns öfter vor einer Vertrauensfrage: vor einer herausfordernden Aufgabe und einer Lebensentscheidung: Welchen Beruf ergreife ich? Baue ich ein Haus? Wage ich den Schritt in die Ehe mit diesem Partner?  Sagen wir ja zu Kindern, auch zu einem behinderten Kind? Getraue ich mich Priester zu werden? Wie befreiend ist es bei solchen Entscheidungen auf Jesus Christus zu hören. Ob mich einlädt einzusteigen, zu vertrauen, Mut zu haben, ja zu sagen, weil er führt und trägt, der dritte im Bunde ist.

Das Verlöbnis für die jährliche Feier des Herz-Jesu-Festes war auch eine Entscheidung zur Dankbarkeit statt zum eingebildeten Dünkel: um in Zukunft nicht den Dünkel zu bekommen, den Verteidigungserfolg nur sich selber zuzuschreiben. Nach dem Motto: „Waren wir Tiroler guat!“ Dagegen ist es wichtig den Dank zu feiern für die Hilfe des Himmels: „Wir-Tiroler-Dankbarkeit“ – nicht „Wir-Tiroler-Dünkel“ sondern: „Gott sei Dankbarkeit!“

Der Dünkel verschließt uns Menschen. Es gibt so etwas wie den „Wohlstandsdünkel“. Er verschließt uns Menschen vor den Notleidenden im Inland wie auch gegenüber der Hilfe für Kriegsflüchtlingen. Im Wohlstandsdünkel denken wir, im Gegensatz zu den anderen seien wir die Fleißigen, die Rechtschaffen, die es aus eigener Kraft geschafft und verdient haben! Das lassen wir uns nichts wegnehmen!

Zu Herz-Jesu sagen wir hingegen Dank, dass uns – über unsere eigene Kraft hinaus – durch die Hilfe von wo andersher in Kriegsgefahr geholfen wurde. Wir zeigen unsere Dankbarkeit, wenn wir heute Hilfe sind für Menschen in Not bei uns und für Kriegsflüchtlinge. Verlöbniserneuerung heißt Erneuerung zu einem entschiedenen Vertrauen auf den Beistand Jesu, und die Bereitschaft, wie er von Herzen  Menschen in Not zu helfen! Amen!

Bernhard Kranebitter, Pfr.

Fronleichnam, 26.05.2016 – Das Mahl der Völker

Evg: Lk 9,11b-17 Brotvermehrung   Lsg: Jes 25,6-10a Festmahl der Völker

 

Von Heinrich Spaemann stammt der Satz: „Was wir im Auge haben, dahinein werden wir verwandelt. Und wir kommen, wohin wir schauen.“

Die Apostel schauen auf die enorme Menschenmenge, etwa 7 mal so viele Leute als wir hier am Lienzer Hauptplatz sind. Sie haben einen Tag der faszinierenden Predigt Jesu in diesem wüstenartigen Gebiet nord-östlich des Sees Genesareth, heute syrische Gebiet, unweit der israelischen Grenze, zugehört. Die Jünger, vernünftig, sagen, Jesus solle die Leute nun gehen lassen, dass sie noch Unterkunft und Essen finden könnten. Jesus antwortet: „Gebt ihr ihnen zu essen“. Die Jünger:  „Schau, wir haben nicht mehr als 5 Brote und zwei Fische. Es reicht nicht!

Am Ende des Evangeliums erfahren wir aber, es hat gereicht: „alle aßen und wurden satt!“ Zwölf Körbe mit Brot blieben übrig. „Guite gewesen, genui und no mitebekeimen,“ hätte ein anwesender Osttiroler Oberländer gesagt.

Jesus kommt mit den Leuten woanders hin, weil er nicht beim Blick aufs Defizit bleibt.

Jesus, der selber nichts hat, nimmt das Wenige, das seine Jünger haben, geradezu lächerlich wenig angesichts der hungrigen Volksmenge, nimmt die 5 Brote, blickte zum Himmel auf,

Er stellte Einvernehmen mit dem Vater her … erinnert sich an die Rettung des Volkes Israel mit Mose in der Wüste Sinai durch das Geschenk des Manna-Brotes durch Gott. Mit dem Propheten Jesaja blickt er innerlich die Bilder der Vollendung der Geschichte durch Jahwe, der einmal allen Völkern ein Fest-Mahl bereiten will, mit den feinsten Speisen und den erlesensten Weinen, …

Jesus segnet die 5 Brote, damit Gott jetzt schon die Fülle wirkt, in der Mitte der Geschichte

Und dann brach er die fünf Brote, gab sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten… Jesus hat das scheinbar Zu-Wenige nicht ängstlich zurückgehalten und reserviert.

Und alle aßen und wurden satt. „Jesus schaut über das Defizit hinaus auf die Fülle Gottes. Es kommt, worauf er bittend und lobend schaut: die Fülle, die für mehr als alle reicht.

Auch wenn solche Wunder dem Messias Jesus Christus vorbehalten waren:

Alltagswunder geschehen, wenn auch wir mit dem Wenigen aufschauen zum Himmel.

Im persönlichen Bereich: Manchmal glaubt man am Morgen eines Tages zu sehen: Heute reicht nicht meine Zeit, meine Liebe, mein Geld, meine Kreativität. Die Versuchung ist da, aus Angst sich zu verschließen. Dann das Wenige nehmen, dem Himmel anvertrauen, aufblicken zur Fülle des Lebens, der wirkt, bis die Angst der Hoffnung weicht, das Herz sich auftut, … dann können wir erleben, dass es doch reicht für den Tag: alltägliche wunderbare Zeit-, Geduld-vermehrung …

Es ist gut, sich von Gott ent-ängstigen zu lassen, dass es nicht reichen könne … auch

im gesellschaftlichen Bereich:

Wer nach den beiden Weltkriegen nur auf die Trümmer geschaut hat, der hat nach Auschwitz leicht den Glauben an Gott und den Menschen verloren. Die Gründerväter der EU, Konrad Adenauer, Robert Schumann, Jean Monnet, … haben nicht zuletzt aufgrund ihres christlichen Glaubens trotzdem auf Vertrauen und auf einen Frieden in Gerechtigkeit gesetzt: mit dem Blick auf die eine Zukunftsvision Gottes für den Frieden aller Völkern – in einer Völkergemeinschaft! Wir in Europa sind dorthin gekommen, wohin diese Gründer geschaut haben und dafür alles investiert haben. Seit 70 Jahren dürfen wir in diesem aus der Asche des Krieges erstandene Friedensprojekt leben.

Für die Herausforderungen heute heißt das für mich: mit dem ängstlich engherzigen Defizit- und Lastenblick auf Flüchtlinge, verschließen und verhärten wir uns, unser Land und unseren Glauben. Wenn wir hingegen unseren Blick richten auf die Gesichter der Menschen aus den Kriegs- und Notgebieten, wir sehen, dass sie die selben Sehnsüchte, aber noch größere Ängste um ihre Familien bewegen wie uns, wenn wir blicken auf die Vision unsere Gottes, Vater unser und Vater der ganzen Menschheitsfamilie, wenn wir darauf schauen, welche Bereicherung Asylwerber mit ihren Talenten für unsere Gesellschaft sein können:  dann verwandeln wir uns in diese offene, menschliche und heimatgebende Gesellschaft und Kirche, die wir in beträchtlichem Maß schon sind und an der so viele Menschen teilnehmen möchten.

Ein Bild dafür soll die Agape der Völker nach der Prozession sein. Nehmt und teilt dann Brot für alle aus 5 Körben, die gemeinsam getragen werden von Bewohnern von Lienz aus Tirol, Irak, Syrien, Libanon, Iran, Afghanistan, Bangladesch und dem Sudan.

Nun sind wir Gäste an Seinem Tisch, er schenkt sich uns im Brot, gebrochen und ausgeteilt für alle. – Dann dürfen wir Jesus im eucharistischen Brot durch unsere Stadt tragen, auf ihn schauen und ihm alles hinhalten an Freud und Leid: Dann kommen wir, wohin wir mit Gott schauen. Wir dürfen Seine Liebe im Auge haben, damit wir zu ihr hin verwandelt werden. Amen.

Bernhard Kranebitter

Die Frau an Gottes Seite

Dreifaltigkeitssonntag, 22.5.2018
Einleitung: Gott, „einer, worüber hinaus nichts Größeres/Vollkommeneres gedacht werden kann.“ („quo nihil maius cogitari potest“) Gott ist größer als gedacht werden kann (… Anselm von Canterbury/Proslogion 1033 -1109 – ontologischer Gottesbeweis)
Predigt:
In der Sixtinischen Kapelle hat Michelangelo die weltberühmte Erschaffung Adams gemalt: mit einer spannungsreichen Beinahe-Berührung des Zeigefingers des rechten Armes Gottes, des Vaters, des Schöpfers mit dem Zeigefinger des linken Armes Adams. Der wenig beachteten linken Arm des Schöpfers legt sich dabei kraftvoll zärtlich um eine junge Frau, die mit ihm zu Adam schaut! Eine spannende Frage, wer ist diese Assistentin Gottes bei der Schöpfung? Am wahrscheinlichsten ist es, dass Michelangelo damit die wenig bekannte Schöpfungserzählung aus dem Buch der Sprüche von heute ins Bild gebracht hat. „Ich, die Weisheit, weiblich, wurde vor aller Zeit gebildet, von Anbeginn, vor den Uranfängen der Erde. … Ich war dabei, als Gott den Himmel erstellte … als er die Grundfesten der Erde umriss, da war ich der Liebling an seiner Seite, war Tag für Tag seine Freude.“
Die Weisheit, mit griechischem Namen „Sophia“, die geliebte Freundin Gottes. Eine liebevolle Beziehung im Urbeginn der Zeiten. Ein männlicher Schöpfer, der bei all seinem Tun die weibliche Weisheit an seiner Seite hat. Eine Schöpfung, die aus der Liebe dieser beiden erwächst und von ihr beseelt wird. Ein schönes Bild! Die Frau an Gottes Seite: was für eine biblische Denkerweiterung für die kirchliche Auslegung der schöpferischen Würde des Weiblichen in Gott und in der Frau von Anbeginn.
Viele Theologen identifizieren diese alttestamentliche weibliche Weisheit mit der weiblichen ruach = Geistatem – in der Bibel. Im Hebräischen heißt es weiblich „die Geistin“ im Griechischen sächlich „das Geist“, im Deutschen wird es dann „der Geist“. Damit das Weibliche in Gott sprachlich nicht verloren geht, müsste man im Deutschen mit Blick auf die hebräische Bibel sagen: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und der Hl. Geistin! Amen.
Wenn Gott die Fülle des Lebens ist, ist klar, dass in ihm auch die Fülle des Weiblichen ist. Vergangene Woche hat Papst Franziskus nach dem Gespräch mit 900 Ordensoberinnen aus aller Welt die Einsetzung einer Kommission über die Zulassung von Frauen zum Diakonenamt bekanntgegeben. Seit langer Zeit ist Frauen jedes Weiheamt verwehrt, obwohl es in der kath. Kirche bist ins 13 Jhdt. eine noch zu wenig erforschte Form des Amtes der Diakonin gegeben hat. Denn es ist ja wirklich nicht zu verstehen, weshalb das, was in Gott einen liebevollen, schöpferischen Platz hat, keinen Platz haben sollte im Weihe-Amt der Kirche. Die Frau an der Seite Gottes, die Weisheit, die Heilige Geistin: glaubt jemand, dass Sie und ER uns und die Kirche davon abrät?
Papst Franziskus schreibt in „Amoris Laetitia“/“Die Freude des Liebens“ über das Wirken der dreieinigen Liebe Gottes in Beziehung, Ehe und Familie. Die Dreieinigkeit Gottes ist Gemeinschaft, ist liebevolle Vereinigung und wie eine immer überfließende Quelle, die uns Menschen innerlich speist und besonders unsere Familien in ihren unterschiedlichen Ausformungen. Die Familie nimmt die dreieinige Liebe Gottes in ihrem Innenleben auf in der Liebe von Mann und Frau, der Ehepartner, nimmt das Leben Gottes auf und gibt es weiter, indem sie Kinder zeugt annimmt und großzieht. Gleichzeitig nimmt die Familie das Leben Gottes in ihrem Leben nach außen hin an, indem sie sich öffnet, aus sich herausgeht. Das geschieht besonders wenn sie in der Gastfreundschaft andere aufnimmt und zu den Armen, Verlassenen und Fremden hinausgeht und sie annimmt. Die gegenseitige und die soziale Liebe der Familie ist ein Gleichnis für die der Dreifaltigkeit. Die Familie lebt ihr Christsein, indem sie zugleich Hauskirche und eine lebendige Zelle für die Gestaltung und Verwandlung der Gesellschaft und der Kirche is.t
Wir dürfen den Satz von Paulus in seinem Römerbrief glauben: Die Liebe Gottes des Vaters ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Hl. Geist, der uns gegeben ist, durch die Hl. Geistin, die uns gegeben ist. – Diesen unseren Glauben dürfen wir bekennen: …
Bernhard Kranebitter, Pfr.

Silvesterpredigt Friedensrede Navid Kermani

Silv15kurz

Predigt 3.1.2016

2.StgW2016

Weihnachtspredigt 2015

Evg: Lk 2,1-14, Joh 1,9-13

Der Titel eines Buches hat sich heuer im Advent in mir eingeprägt: „Niemandes Kind“. Von der Osttiroler Schriftstellerin Fanny Wibmer-Pedit. Schauplatz ist in vergangenen Zeiten der hochgelegene Preßlab-Hof in Matrei i. O…  Die Bauersleute, Nikel und Agnes, die den Hof bewirtschaften, ziehen sechs Kinder auf. Eines davon ist Hilprant. Bei einem Besuch merken die Erwachsenen nicht, dass er im Zimmer ist. Da hört der Bub seinen vermeintlichen Vater sagen: „Hilprant: Der ist nicht unsriger, ist eigentlich niemandes Kind.“ Vom Donner gerührt. Aus Entsetzen darüber rennt er raus durch die Tür und weint bitterlich. Seit diesem Erlebnis will er nur vor allem eines wissen, wer seine wirklichen Eltern sind.

Hilprant wächst zu einem tüchtigen Burschen und Knecht heran. Neben einem jungen Mädchen verliebt sich auch seine Stiefschwester Irmi in ihn. Sie weiß um seine Herkunft, hat aber ihrer Mutter versprochen, niemandem davon zu erzählen. Auf langes, intensives Drängen Hilprants hin, verrät sie es ihm schließlich aber doch. Bald hält Hilprant auch die aufkeimende Liebe nicht mehr auf dem Preßlab-Hof. Er macht sich auf die abenteuerliche Suche nach seinen Eltern im oberitalienischen Raum um dort sein Lebensrätsel lösen zu können.

„Niemandes Kind“ zu sein, die Eltern nicht zu kennen, oder sie früh verloren zu haben, oder keine gute Beziehung zu ihnen zu haben: das ist für uns Menschen auf Dauer kaum auszuhalten: wir suchen unsere Herkunft, unsere Heimat, den Kontakt dazu, die Umarmung! Nicht nur die Flüchtlinge in der Fremde, 60 Mio. weltweit, 2 Mio. allein im Libanon, … Auch wir fühlen uns trotz Eltern manchmal ausgesetzt fremd, so wie es in einem Spiritual heißt: „Sometimes I feel like a motherless child – al long way from home!“. In dieser Erfahrung ist uns das Kind in der Krippe so nahe. Jesus ist in der Fremde zur Welt gekommen, fern von Nazareth, in Bethlehem, nicht in einem Daheim, sondern einem Stall. Dann auf der Flucht nach Ägypten, ein Flüchtling, Asylsuchender, eins mit dem Schicksal aller Flüchtlinge und Asylsuchende, eins auch mit unserer Heimatlosigkeit.

Aber dieses Kind in der Krippe und Fremde ist gleichzeitig so geborgen: einmal bei seiner Mutter Maria und seinem sozialen Vater Josef. Und die anwesenden Engel, der offene Himmel auf den Feldern von Bethlehem, über den Hirten und über dem Stall zeigen: dieses Kind Jesus hat seine tiefste innige Heimat in Gott selbst, der ihm ganz der liebende Vater ist. Und er ganz Sein vertrauensvoller Sohn. Sohn Gottes. Welche Ansage von Heimat.

„Advent und Weihnachten sind/ist wie ein Schlüsselloch, durch das auf unseren dunklen Erdenweg ein Schein aus unserer Heimat fällt.“ Bodelschwingh

Diese Heimat, die väterlich-mütterliche Beziehung Gottes zu uns, ist das Weihnachtsgeschenk Jesu an uns! Da hinein lädt er uns ein. Im Weihnachtsevangelium nach Johannes hören wir: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, und ich ergänze, die Freiheit und Würde, Söhne und Töchter Gottes zu werden, allen, die auf ihn vertrauen, die so auch aus Gott geboren sind“. Das Kind Jesus sagt uns: Gott will dir und dir, allen Menschen Vater sein. Hab´ Mut, vertrau dich ihm von Herzen an, sag ihm in deinem Inneren, „Und ich will dir gerne Sohn oder Tochter sein, auch wenn es mir etwas fremdartig erscheint! Du musst es mich halt spüren und erfahren lassen, wie das ist und was es heißt!“

Ich wünsche stärker als alle Erfahrungen „niemandes Kind zu sein“ – jedem persönlich familiäre Weihnachten mit Eltern, Geschwistern, Enkeln – und auch alleine mit Gott, dem Vater.

Und ich wünsche dieses heimatstiftende Weihnachten jedem gemeinsam mit allen Menschen – universell mit allen Geschöpfen.

Etwas von dieser universellen Verbundenheit war spürbar, als vor zwei Samstagen in Paris 196 Staaten der Welt beim Weltklimagipfel ein gemeinsames Abkommen gelungen ist. Papst Franziskus hatte dafür im Mai seine Enzyklika Laudato sii – über die gemeinsame Sorge für das gemeinsame Haus geschrieben. Er hat mit Jesus und Franziskus angeknüpft beim tiefen Wissen um und Glauben an die eine Menschheitsfamilie in Gott, ja um die tiefe Verbundenheit und Würde aller Geschöpfe von Gott her und auf ihn hin! Vor dieser Erfahrung wirkt es so beschämend, wenn wir in Tirol anfangen über Obergrenzen für Flüchtlinge zu diskutieren, bevor wir nicht einmal die Untergrenze der Aufnahme erreicht haben. Diese heimatstiftende Kraft ist für mich heuer so stark spürbar in Leisach, wo so viele Menschen dafür gearbeitet haben, dass zwei Flüchtlingsfamilien Herberge gefunden haben im Pfarrhaus, – war spürbar überall wo Flüchtlinge in ehrenamtlichen Deutschkursen, bei Weihnachtsfeiern, Einladungen, und durch viele Spender wie z. B. bei Bruder und Schwester in Not, … erfahren können, dass wir eine Menschheitsfamilie sind. Danke allen! Gesegnetes Weihnachten ganz persönlich und universell als Gottes geliebte Töchter und Söhne. Amen!

Bernhard Kranebitter, Pfr.

Allerheiligenpredigt 2015

Allerheiligen 01.11.2015

Predigt:

Zum Fest Allerheiligen passt es, wenn wir uns die Frage stellen: „Können wir noch heilig werden?“    Wir alle 50+: Können wir noch heilig werden, wenn es uns bisher schon in über der Hälfte unserer Lebensjahre noch nicht so recht gelungen ist? Oder könnte es uns gerade noch gelingen, weil wir merken: so viel Zeit haben wir gar nicht mehr dafür?

Könnt ihr noch heilig werden, ihr Jüngeren? Oder am ehesten noch ihr Ministranten: ihr seid jung: Ihr könnt doch noch Heilige werden? Oder?

Karl Rahner, Jesuit Theologieprofessor hat diese Frage 15 Jahre nach seiner Priesterweihe bei einem Vortrag seinen Weihekollegen gestellt. Seine Antwort damals darauf: „Wir sind nicht heilig geworden.“ Und seine Begründung. „Nicht weil wir keine Wunder gewirkt und keine Völker bekehrt und den unerbittlichen Strom der Geschichte der Welt nicht in ein anderes Bett geleitet haben.“ – Und Wir: „Nicht weil wir so wenig Frieden gestiftet haben und zu wenig Notleidenden geholfen haben.“

Wir sind nicht heilig geworden, meint Rahner, „weil wir Gott nicht geliebt haben, wie es ihm gebührt, aus ganzem Herzen und aus allen Kräften. Man kann doch darauf nicht verzichten, man kann doch hierin nicht bescheiden sein.“

Wir, die wir nicht heilig geworden sind, sind tatsächlich zu „bescheiden“. Zu bescheiden in der Liebe zu unserem Gott. Das habe ich mir jetzt gedacht, als ich einen Bericht über die heurige Shell-Jugendstudie gelesen habe. Sie hat erhoben, dass für den durchschnittlichen Jugendliche zwischen 12 und 25 im Deutschsprachigen Raum die Wichtigkeit des Glaubens an Gott für die eigene Lebensführung seit langer Zeit weiter abnimmt. – Das gilt allen Untersuchungen nach auch für die Erwachsenen. – Auch die Zahl der Jugendlichen, die täglich oder zumindest einmal in der Woche beten ist auf 20 Prozent zurückgegangen. Im Vergleich dazu die muslimischen Jugendlichen: Die angeben täglich oder mindestens einmal in der Woche zu beten machen bei ihnen 50% aus, prozentuell 2 ½ mal so viel wie die mehrheitlich christlichen. Wenn wir im noch mehrheitliche christlichen Europa prozentuell nur 40% so oft beten wie die Muslime in Europa: heißt das dann wahrscheinlich, dass wir im Beten und in der Liebe zu Gott schon sehr bescheiden geworden sind, selten lebendig eintauchen in den Heiligen Gott.

Dazu wird auch eine zweite Frage in diesen Tagen so spannend. In einem Gedicht von Maria Luise Kaschnitz wird sie der Dichterin so gestellt: „Glauben Sie, fragte man mich, an ein Leben nach dem Tode?“ Da geht es uns ganz unterschiedlich an den Gräbern unserer lieben und schwierigen Angehörigen. Maria Luise Kaschnitz:

Glauben Sie fragte man mich

An ein Leben nach dem Tode

Und ich antwortete: ja

Aber dann wusste ich

Keine Auskunft zu geben

Wie das aussehen sollte

Wie ich selber

Aussehen sollte

Dort/

Ich wusste nur eines/ Keine Hierarchie/ Von Heiligen auf goldenen Stühlen sitzend/ Kein Niedersturz/ Verdammter Seelen/Nur/

Nur Liebe frei geworden

Niemals aufgezehrte

Mich überflutende/

… Liebkosung schöne Bewegung

… Komm du komm

… Und deine Hand

Wieder in meiner

… Deine Stimme empfängt mich

Entlässt mich und immer

So fort

Mehr also, fragen die

Frager

Erwarten Sie nicht nach dem Tode?

Und ich antworte weniger nicht.

(M.L. Kaschnitz)

Bernhard Kranebitter, Pfr.

Familiensynode und Kommunionempfang

Familiensynode und Kommunionempfang

Die Familiensynode wünscht eine „vollere Teilnahme am Leben der Kirche“ von geschieden-wiederverheirateten Paaren (Art. 84 – 86). Sie lädt diese Paare ein, sich in ihrem Gewissen zu prüfen, wie sie die Verantwortung gegenüber dem Partner und den Kindern der kirchlichen Ehe wahrgenommen haben und wahrnehmen, und wie sie ihre Verantwortung in der neuen Partnerschaft und Familie in der Kraft des Glaubens übernehmen. Dieser Weg der „Unterscheidung“ soll in einem Gespräch von einem Seelsorger begleitet werden, für den die Integration des Paares und Gerechtigkeit im Einzelfall das Ziel ist.

Deshalb lade ich wie schon bisher alle Paare, die wieder zur Kommunion gehen möchten, herzlich ein, mit mir oder anderen Seelsorgern oder Seelsorgerinnen für ein Gespräch Kontakt aufzunehmen. Ebenso eingeladen sind Paare in anderen Situationen, wie zum Beispiel gleichgeschlechtlich liebende Menschen.

Ich danke allen, die zu solchen Wegen auch in unsere Pfarr-Familiensynode ermutigt haben. Papst Franziskus sagte bei der Schlussansprache: „Die Synode hat uns verstehen lassen, dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht die sind, die den Buchstaben, sondern die den Geist verteidigen; nicht die Ideen, sondern den Menschen; nicht die Formeln sondern die Unentgeltlichkeit der Liebe Gottes und seines Verzeihens.“ Ich bin gespannt, wie der Papst mit dem Ergebnis der Synode umgehen wird.

Bernhard Kranebitter, Pfarrer