Predigt: Bartimäus, 30. Stg B

30. Sonntag B, 28.10.2012
Lsg: Jer 31,7-9
Evg: Mk 12,46 – 52
Predigt:
Für mich war es spannend in diesem Evangelium darauf zu schauen, was Jesus nicht gesagt und nicht getan hat …
als der bettelnde, blinde Bartimäus noch viel lauter schrie: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“
Da ging Jesus nicht zu ihm hin, um ihm mit der Hand über den Kopf streichen und sagte nicht zu Judas: gib ihm einen Denar aus unserer Gemeinschaftskassa!
Wichtiger als wie ein großzügiger Wohltäter zu wirken ist ihm, die Umstehenden bei ihrer Verantwortung zu packen. So heißt es:
Jesus blieb stehen und sagte zu ihnen: – aber nicht: „Warum gibt ihm keiner von euch ein Almosen?“
Jesus möchte nicht nur die schnelle Linderung der sichtbaren Not, damit Bartimäus Geld hat für den Lebensunterhalt des Tages. Er will dass die Leute schauen auf die Wurzel der Not.
Jesus sagt aber auch nicht: Helft ihm auf und führt ihn her! Nein, obwohl blind, Bartimäus, hat gelernt selber zu gehen, da braucht ihm niemand betulich zu helfen.
Jesus sagt: Ruft ihn her! Es ist einer, der an den Rand gedrängt ist, ruft ihn in eure Mitte, nehmt ihn herein! Und blitzschnell haben die Leute schon umgelernt, sagen zu ihm: „Hab Mut!“ – So oft wir auch gesagt haben, sei nicht lästig, gusch, gib doch endlich eine Ruhe! – Jetzt „ruft dich Jesus!“ Die Armen sind die Privilegierten bei IHM!“
Da warf Bartimäus seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Was für eine Energie und Selbständigkeit!
Nun heißt es nicht: Jesus sah, dass er blind war und heilte ihn.
Nein, Jesus scheint zu wissen: wenn Bartimäus nicht selbst gesund werden will, nicht selbst wieder mit den Menschen leben will und Gott loben will, dann würde er auch bei einer Heilung draußen am Rand des Lebens bleiben.
Deshalb fragte ihn Jesus auf sein Herz zu: Nicht nur wie verkürzt übersetzt: „Was soll ich dir tun?“ sondern „Was willst du, dass ich dir tun soll?“
Was willst du? Denn die Heilung bedeutet dann auch arbeiten, neue Verantwortung zu übernehmen, … willst du das?
Und der blinde Bartimäus fragt nicht: Wunderheiler, was kostet die Behandlung?
Er sagt bekennend: Rabbuni, Meister! Dir schulde ich nicht Geld, das wäre lächerlich, sondern ich erkenne dich als meinen Meister, von dir, deinem Beispiel will ich leben lernen!
Ich möchte wieder sehen können!
Jesus erhob nicht noch seine Augen zum Himmel, setzt kein Zeichen für die Heilung.
Nichts tut Jesus um selber als der große Wunderheiler da zu stehen.
Jesus tut nichts.
Jesus sagte: Dein Glaube hat dir geholfen. Dein Wollen und deine Anerkennung des Herrn, deines Gottes.
Und es heißt: Im gleichen Augenblick konnte Bartimäus wieder sehen.
Bartimäus weiß, wenn Gott heilt, ist es gratis! Aber wenn Gott gratis gibt, ist das die Einladung, dass auch ich mich gratis gebe, mit meinem Leben.
Und Bartimäus folgte Jesus auf seinem Weg.
Wie wenig überfürsorglich Jesus hilft. Der Fachausdruck für diese ermächtigende Hilfe ist:
Subsidiäre Hilfe, oder Hilfe zur Selbsthilfe.
Subsidiäre Hilfe ist gefragt von Eltern und Pfarrgemeinden: eine Hilfe, die nicht verwöhnt, sondern zur Selbständigkeit erzieht.
Subsidiäre Hilfe ist gefragt vom Staat: eine Hilfe, die der Familie, den Vereinen, der Kirche, den Gemeinden hilft, sich selbst zu helfen. Der Staat darf nicht überfürsorglich und entmündigend abnehmen, was die kleinere und grundlegendere Einheit selber wirken kann.
Subsidiäre Hilfe ist von der Kirchenleitung gefragt: dass Entscheidungen, Rechte, die Eucharistiefeier und Finanzen vor Ort in den Pfarren belassen und nicht weiter zentralisiert werden, wie es zur Zeit in der Erzdiözese Wien geschieht.
Das Amt soll subsidiäre Hilfe leisten, damit jeder einzelne Christ und die christlichen Gemeinschaften selber zu Jesus Christus rufen und schreien, selber aufspringen, den Mantel der blinden, einsamen Passivität abwerfen, mutig zu Jesus laufen, selbstverantwortlich im Glauben wachsen und ihrem Herrn und Rabbuni und dem Wort seines Evangeliums folgen. Amen.

Bernhard Kranebitter, Dekan

Glaube ist…

Was ist „Glaube“ für Sie? Welche Glaubenserlebnisse
haben Sie schon gehabt? Erlebnisse mit Gott?

Seit dem Sommer sammle ich in den Runden unserer Pfarre Aussagen zum Thema „Glaube“, und um mit gutem Beispiel voranzugehen hier von mir eine Geschichte.
Wenn ich auf meine Jugend zurückblicke und an meine Familie denke, dann weiß ich, dass Glaube zunächst einmal Geschenk ist. Meine Familie war nicht sonderlich religiös und ein Messbesuch war äußerst selten. In der Firmvorbereitung bin ich einer gläubigen Familie begegnet, die mich faszinierte und von der eine Wärme ausgegangen ist, die ich nicht kannte. Dennoch war das erst der Same, der gelegt wurde.
Mit 16 begann ich im Alten Testament zu lesen, zunächst aus Neugier, dann aus Faszination. Es war, als würde mir Gott selbst in diesen Schriften begegnen. Als würde er zu mir anstatt zum Volk Israel sprechen. Ja, es begegnete mir im Alten Testament ein liebender Vater, der mit mir durch dick und dünn ging. Meine Glaubensantwort war, noch mehr in der Bibel zu lesen, auch an Bibelrunden teilzunehmen, mit den Psalmen zu beten und in die Messe zu gehen. Ich nahm mir vor, jeden Sonntag zu gehen, egal was meine Eltern dazu sagten oder wie schwer es mir fiel. Und ich ging. Es war, als ob der Hl. Geist mir alle Worte und Gesten der Liturgie höchstpersönlich erklärte. Alles füllte ich mit Liebe und dem Gespräch mit Gott. Die Liturgie war der Rahmen für meine Begegnung mit Gott.
Es war wie eine Liebesbeziehung, in der man aufeinander neugierig ist, jede Minute miteinander verbringen will und alles füreinander tun würde. Viele Menschen sind mir in dieser Phase des Glaubens begegnet und haben mich bestärkt.
Heute empfinde ich das Auftauchen Gottes in meinem Leben als Geschenk, und ich danke ihm dafür, dass ich seine Worte, seine Zeichen bemerkt habe und dass er mich gelockt hat und meine Sehnsucht nach ihm geweckt hat.
Diese Sehnsucht nach ihm hat sich zwar im Laufe meines Glaubenslebens vielfach verändert, dennoch erlebe ich Gott immer noch als den liebenden Vater, der mit mir durch dick und dünn geht.

Im Herbst beginnt das Jahr des Glaubens.
Es tut gut, einmal auf die eigene Glaubensgeschichte zurückzublicken . Ich möchte Sie dazu ermutigen! Vielleicht können auch Sie das eine oder andere Erlebnis mit Gott zu Papier bringen.
Und ein Weiteres scheint mir im Jahr des Glaubens wichtig: sich auch mal wieder inhaltlich mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Dafür werden wir vielfältige Angebote für Sie bereithalten. Und ich würde mich freuen, wenn Sie diese nützen.

Karoline Eder

Was bewegt uns im Pfarrgemeinderat?

Ich wurde bei der letzten Pfarrgemeinderatswahl zum Mitglied des Pfarrgemeinderates der Pfarre zur Hl. Familie gewählt und zum Obfraustellvertreter ernannt . Dies gibt mir die Möglichkeit, mich im bescheidenen Maße, für das gemeinschaftliche Geschehen unserer Kirchengemeinde einzubringen.

Ich bin stolz auf meine Familie und danke meiner Frau und meinem Sohn für das Verständnis, dass sie mich in meinen beruflichen Aktivitäten und meinem sozialen Engagement beim Hilfsverein „Lienzer Brücke“ und beim Lions-Club-Lienz so bedingungslos unterstützen.

Ich bin Leiter des Sonderpädagogischen Zentrums Lienz und Direktor der Sonderschule Lienz.
Mir ist es ein Anliegen, Menschen zu begleiten und nach meinen eingeschränkten Möglichkeiten dort zu helfen, wo nach Hilfe verlangt wird.
Entscheidend für meine Einstellung den Mitmenschen, der Umwelt, der Natur – generell dem Leben – gegenüber, ist meine Sichtweise von der Welt und der von den Menschen.

Mein Leitsatz von frühen Kindertagen an lautete: Ich behandle die Menschen so, wie ich gerne von ihnen behandelt werden möchte. Dieser Satz hat mich geprägt und meinen Umgang mit den Mitmenschen bestimmt. Erst als ich erwachsen war, erfuhr ich, dass dieser Spruch bereits von der Gesellschaft als die „Goldene Regel“ bezeichnet und in vielen Büchern ausführlich diskutiert wurde und wird. Diese erstaunliche Erkenntnis, dass ich von mir aus, mein Leben nach einem so hohen Ideal ausrichtete, machte mich offen für die Auseinandersetzung mit den Bildern im Kopf und den Gefühlen im Herzen, die Menschen denken und handeln lassen. Ich widmete mich der Auseinandersetzung mit meinem Menschenbild und half mit, Menschenbilder für unterschiedliche Gemeinschaften zu entwickeln. So erarbeitete ich mit den engagierten Lehrerinnen und Lehrern der Sonderschule Lienz, ein Menschenbild, nach dem wir nicht nur unser schulisches Leben ausrichten.

Das Menschenbild der Sonderschule Lienz wird in folgenden Sätzen beschrieben:

Ich schätze das menschliche Leben in jeder Form des Seins.
Ich bin ich, ich bin einzigartig mit meinen Stärken und Schwächen und möchte so angenommen werden.
Ich versuche der Welt offen, tolerant und respektvoll zu begegnen.
Ich bin zeitlebens lernfähig, erkenne aber auch Grenzen.
Ein gewisses Maß an Gelassenheit und Humor erleichtert mein Leben.
Zusammen sind wir viele einzigartige Mosaiksteine im bunten Bild einer vielfältigen Gemeinschaft.

Diese Leitsätze haben unseren Lehrerinnen und Lehrern eine gemeinsame Basis geschaffen, das gemeinsames Arbeiten, auch unter erschwerten Be-dingungen, gelingen hilft.
Mit der speziell ausgerichteten Sichtweise auf die Menschen, verändert sich auch der eigene Umgang mit der Umwelt und allmählich zeichnet sich ein Blick auf unseren Schöpfer ab, der ein Gottesbild entstehen lässt, das ganz eng mit unserem Leben verknüpft ist, uns in der Zuversicht bestärkt, Geborgenheit in Gott – auch in schlechten Zeiten – zu erfahren und uns immer wieder neue Kraft gibt, um ein erfülltes Leben zu leben.

Ich versuche dankbar, demütig, dienstbar am Mitmenschen, diszipliniert, duldsam und tolerant zu sein und weiß, dass ich nur mich und keine anderen Menschen ändern kann.
Als Mensch nehme ich die Vorbildrolle bewusst wahr, weiß aber sehr wohl um meine Schwächen Bescheid. Fehler machen ist im Leben erlaubt. Die Perfektion gelingt nur Gott.

Andreas Weiskopf, PGR-Obfraustellvertreter

Predigt 13. Stg B Irland – Spanien 0 : 4

13. Stg B12, 1.7.
Predigt:
Bei dieser Fußball-Europameisterschaft wurde eine Situation als die bewegendste bezeichnet, die ich nicht gesehen habe, aber schon davon zu lesen hat mich beeindrucke. Die irische Fußball-Nationalmannschaft liegt 0:4 gegen die weltmeisterlich kombinierenden Spanier zurück, nicht nur das Spiel ist längst entschieden, die Iren sind froh, wenn einer der Ihren überhaupt mal an den Ball kommt. Erbarmungslos wie selten zuvor führen die spanischen Fußball-Künstler ihr „Tiki-Taka“ auf dem Spielfeld auf.
Und dann erheben die irischen Fans ihre Stimmen. Von der 87. Minute an bis weit nach Schlusspfiff intonieren 20.000 Fußball-Fans in Grün zaghaft zunächst, dann immer lauter, immer inbrünstiger die melancholische traditionellen Folk-Ballade “Loooooooooow … lie the fields of Athenry” (übersetzt in etwa: “Tief liegen die Felder von Athenry, wo wir einst die kleinen, freien Vögle fliegen sahen.“) Keine Randale, keine Schmährufe. Statt Gesten der Enttäuschung, was jeder sich im Moment der Niederlage wünscht: Zuspruch, Treue, ein Gefühl von Heimat. Irlands Fans besangen die Sehnsucht nach der Heimat und feierten so ihre Helden auf dem Rasen. Die hohe Niederlage konnte ihre Würde nicht brechen. Es ist der bewegendste Moment der bisherigen Fußball-Europameisterschaft. Die spanischen Fans verstummten, ja selbst die Fernsehkommentatoren hielten inne – minutenlang. Die Nachspielzeit verstrich unbemerkt, der Abpfiff erklang fast tonlos. Es blieb nur der Gesang aus rund 20.000 irischen Kehlen: “Looooooooow … lie the fields of Athenry”
“The Fields of Athenry”, das die Fans von der grünen Insel so inbrünstig sangen, ist die inoffizielle Hymne der irischen Nationalmannschaft. Das Lied des Iren Pete St. John aus den 70er-Jahren erzählt von der irischen Hungersnot (1846 bis 1849) und einem Mann aus dem Städtchen Athenry, der, um seine Frau und sein kleines Kind vor dem Hungertod zu retten, Getreide stiehlt und dafür mit einem Gefangenenschiff nach Australien deportiert wird. Als das Schiff in die Abenddämmerung hinein den Hafen verlässt, besingt seine Frau Maria den Verlust des Geliebten: Unsere Liebe hatte Flügel, wir hatten Träume und Lieder zum Singen. Es ist so einsam nun auf den Feldern von Athenry.
In der gesungenen Erzählung denkt ihr Mann auf dem Gefangenenschiff nicht an sein Schicksal, sondern an Frau und Kind – ebenso standen die irischen Fans würdevoll auf und sangen gegen den Schmerz an: „Das alles spielt keine Rolle, wenn du frei bist, Maria. Ich rebellierte gegen Hungersnot und Krone. Und dafür sperrten sie mich ein! Jetzt musst du unser Kind in Würde großziehen.
Das Lied endet mit der Zusage unverbrüchlicher Treue und der dem Hinweis, dass dabei auch der Glaube helfen. Irland steht zu seiner Mannschaft und Maria zu ihrem Mann, dem Korndieb: „Sicher wird sie warten und hoffen und beten für ihre Liebe in Botany Bay.“ 20.000 irische Fans haben ein Lied gesungen, das ein Bekenntnis zur Heimat, zur Freiheit, zur Treue des Liebens in der Niederlage, zur Würde des Menschen und zu Gottes Beistand als die Seele aller Hoffnung. Amen.
Bernhard Kranebitter, Dekan

Diamantenes Priesterjubiläum Josef Zelger

Diamantenes Priesterjubiläum Cons. Josef Zelger, Nikolsdorf, 1. Juli 2012, 8.30
13. Stg B
2. Lsg:
Evg: Kurzfassung
Liebe Gläubige der Pfarrgemeinde Nikolsdorf mit Pfarrer Bruno, dem PGR und der Pfarrkoordinatorin, geschätzte Gemeinderäte mit dem Hr. Bürgermeister, liebe Schwestern des Jubilars, Josefa und Anna und alle seine Familienangehörige, liebe Häuserin Cilli, lieber Mitbruder,
lieber Pepe – so hat dich deine Familie am Gödnerhof , in Schlittenhaus-Sillianberg gerufen,
liebes Zelger Mandl – so deine Klassenkameraden im Paulinum,
lieber Seppl, lieber Pepele – so einige deiner Mitbrüder,
lieber Josef – so wie viele in Nikolsdorf ihren Herrn Pfarrer gerne nennen dürfen!
Irgendwann vor etwa 70 Jahren, da hat dich der Gute Hirte sozusagen etwas bestimmter an deinem Jangger gezupft. Vielleicht hast du dich da anfangs gewehrt, denn wenn man an dir herumzupft und dich in eine bestimmte Richtung drängen will, dich kommandieren will, das magst du, wie wir alle, nicht besonders. Auf alle Fälle hat der Gute Hirte weiter an deinem Jangger gezupft und hat die richtigen Worte gefunden: er hat dich zu so etwas wie einer einzigartigen Bergtour, ja zu einer Expedition eingeladen. Er hat gemeint: „Pepe, Seppl, Pepele, Josef, ich brauch dich in meiner Seilschaft. Du bist ein guter Bergführer, umsichtig, mutig, verantwortungsbewusst. Dich Pepe brauch ich in der Bergsteigerschule meines Evangeliums als Priester: als einen, der die Menschen hinauf zum Gipfel des Lebens, zu Gott ihrem Vater führt, der sie auf den Serpentinen ihres Lebens nach der Wanderkarte des Evangeliums geleitet. Dich Pepe brauche ich als Priester, der den Menschen in den Steilwänden des Leidens und des Todes die rechten Sicherungshaken schlägt und sie ermutigt, das Seil des Glaubens und der Sakramente zu ergreifen, der sie durch Nebelbänke mit langem Atem weiterführt bis neu das Licht der Hoffnung einbricht …“
Lieber Pepe, irgendwann hast du in deinem Herzen zu diesem Zupfen und persönlichen Rufen des Herrn „Ja“ gesagt. Du, der so viele Freunde sicher am Seil zu den Gipfeln der Heimat und Europas geführt hast, vom Großglockner bis zum Matterhorn, der du in Afrika auf dem Mount Kenia deinen Weihekollegen Uganda Michl nach seinem Sturz ins Seil über dem Abgrund „derhalten“ hast bis er wieder einen Stand erreicht hat. Du, der du am Berg meist vorausgegangen bist, hast gesagt: „Jesus, gut, wenn du voraus gehst, ich folge dir. Wenn du mich ans Seil nimmst, dann kann nichts passieren und noch wichtiger: dann ist für eine schöne, kameradschaftliche, aufregende Lebenstour gesorgt auf der mir nicht so schnell langweilig wird, denn gar so geduldig bin ich nicht.“
Lieber Pepe: heute sagen wir dir einen herzlichen Dank, dass du dich hast verlocken lassen, und am 29. Juni 1952, genau vor 60 Jahren und 2 Tagen in Reutte bei der Priesterweihe durch Bischof Paulus Rusch dein „Ich bin bereit“ gesprochen hast, gemeinsam mit deinen Mitbrüdern Toni Kraler, Julius Nußbaumer und Walter Linser. Vor allem sagen wir deinem Guten Bergführer Jesus herzlich „Danke“, dass er dich ein Leben lang in deinem Dienst und Leben als Priester so sicher geführt hat:
als Kooperator bis 1956 in Fulpmes und dann bis 1961 in Lienz-St. Andrä, ab 1961 als Pfarrer in Fiss. Dann wieder zurückgeführt in deine Osttiroler Heimat, 35 Jahren lang seit deinem Einstand hier in Nikolsdorf zum Patrozinium am 24. August, St. Barthelmä, im Jahr 1977.
Dieses bewegende Buch ist dir von deiner Pfarrgemeinde, deiner Familie und Freunden geschrieben und zum 80. Geburtstag geschenkt worden. Es ist in humorvoller, bodenständiger Weise voller Wertschätzung und voller Zuneigung. Ich habe es gelesen mit wachsendem Respekt, großer Dankbarkeit und Wehmut. Deine Primiz war an einem Sonntag bei der 6-Uhr-messe, weil danach bei der 9-Uhr-Messe die Primiz von Anton Kraler war. Damals gab es aus der Pfarre Sillian 20 lebende Priester. Es war und ist etwas sehr Kostbares, wenn ein Dorf über 35 Jahre denselben Priester hat. Da wächst viel Vertrauen, das im Buch einer so zusammengefasst hat: „Sie, lieber Pfarrer, begleiten uns als Hirte und Vater durch alle Höhen und Tiefen eines Kirchenjahres“. Wenn wir daran denken, dass Nikolsdorf einmal keinen Priester mehr vor Ort haben wird: Ein solcher Verlust priesterlich-väterlichen Nähe, das macht traurig: eine Gemeinde, den von auswärts zuständigen Priester. Freilich: Ein solcher Verlust ist nicht nur ein Schrei nach Reform auf weltkirchlicher Ebene, er ist auch eine Wachstumschance für die Selbstverantwortung der Getauften und Gefirmten und für eine gewandelte priesterlich-geschwisterliche Nähe des Pfarrers, der in der Nachbarpfarre wohnt.
Für diese Zeit hast du, lieber Josef, deine Gemeinde, dafür hat sich deine Gemeinde gerüstet: sie ist durch dich und mit dir erwachsener geworden in der Umsetzung des 2. Vat. Konzils:
Schon vor dem Konzil hast du dich intensiv gekümmert: um die Ministranten, Kindergartenkinder, Volksschüler als Katechet bis 1993/94, um die Jungschar, KAJ, den Kirchenchor, um den Kirchenrat, Restaurierungsausschüsse, die Vereine wie Landjugend, Musikkapelle, Feuerwehr, Schützen, Bäuerinnen, Sportunion, Bücherei, Aufbauwerk der Jugend, Kath. Bildungswerk und um die Verbindung zur politischen Gemeinde.
Du warst Vorreiter darin, neue Errungenschaften im priesterlichen Dienst zu verwenden: das Tonbandgerät, den Motorroller, den kleinen schneidigen Puch 500. Ähnlich aufgeschlossen hast du auch die Pfarrgemeinde erneuert im Geist des neuen II. Vat. Konzils: ihr habt mit dem damals neu eingerichteten Pfarrgemeinderat die ersten Schritte getan, den Caritaskreis gegründet, den Liturgiekreis, habt den Gottesdienst der Gemeinde mitgetragen und gestaltet durch Lektoren, Kommunionhelfer und Wortgottesdienstleiter und vieles mehr.
Liebe Nikolsdorfer! Wenn ihr weiterhin so freudig und furchtlos eure Verantwortung als Getaufte und Gefirmte für eine lebendige Pfarrgemeinde wahrnehmt –
und wenn ihr euch persönlich immer tiefer verwurzelt in den Glauben an Jesus Christus und aus seinem Evangelium die Nächstenliebe lebt –
Wenn ihr euch immer wieder neu verbindet mit dem dreieinen Gott und untereinander in Feier des Sonntagsgottesdienstes: – („Sonntagsgottesdienst“: da darf euch die wiederholte Einladung und Mahnung von eurem Alt-Pfarrer Josef ein Leben lang in den Ohren weiterklingen!)
Dann wird Gottes Segen bei euch weiter Frucht bringen gemeinsam mit dem priesterlich-geschwisterlichen Dienst eures neuen Pfarrers Bruno.
Heute – und Gott möge geben noch viele gesegnete Jahre – sind wir dankbar für euren diamantenen Priesterjubilar Cons. Josef Zelger vor Ort in seiner Heimat Nikolsdorf. Dankbar auch seiner lieben Häuserin, Cilli, die du, Josef, 1973 vom Sanatorium in Innsbruck abgeworben hast. Seit 39 Jahren kümmert sie sich im Pfarrhaus so gut um dein leibliches, menschliches und gesundheitliches Wohl! Cilli, du schaust, dass der Diamant Josef nicht nur Rohdiamant ist, sondern die rechte Fassung und den äußeren Schliff hat! Lieber Josef! Dein Bergführer Jesus Christus lasse weiter sein Angesicht über dir leuchten und durch dich sein Angesicht über uns, damit in diesem Buch deiner Pfarre noch viele schöne Seiten beschrieben werden bis du IHN einmal siehst von Angesicht zu Angesicht! Amen.
Bernhard Kranebitter, Dekan

Predigt Fronleichnam 2012

Predigt:
Der Vorarlberger Bischof Erwin Kräutler leitet im brasilianischen Amazonasgebiet die Diözese Xingu. Sie ist 4 ½ mal so groß wie Österreich. Für 900 Pfarren mit 600.000 Personen gibt es nur 30 Priester. So feiern die Christen dort Sonntag für Sonntag Wortgottesdienst und oft nur 3-4 mal im Jahr eine Messfeier.
Bischof Kräutler verteidigt mutig die Indios, denen oft auch mit Gewalt immer mehr Land genommen wird von Großgrundbesitzern und von Energiekonzernen mit einem gigantischen Staudammprojekt.
Bald erhielt Bischof Kräutler für seinen Einsatz Morddrohungen.
Einmal war er mit einem jungen Ordenspriester, P. Salvatore allein im Auto unterwegs zu einer Sonntagsmesse in einer entlegenen Pfarre, auf der schnurgeraden Schotterstraße durch hügeliges Gelände. Plötzlich zieht ein entgegenkommendes Auto auf ihre Seite, rammt das Auto des Bischofs. Dieses kommt von der Fahrbahn ab, ein schlimmer Unfall. P. Salvatore, der am Steuer gesessen ist, stirbt im Spital von Altamira.
Im der Totenkapelle des Spitals erscheint ein Mann mit Bart. P. Salvatore lag bereits einbalsamiert offen aufgebahrt. Der Mann blickt den Toten an und sag: „Wir haben den Falschen erwischt.“
Bischof Kräutler sagt in einem Interview: „Jedesmal, wenn ich an der Unfallstelle vorbeifahre, … kommt da alles wieder. Gewöhnlich bekreuzige ich mich da.“ … Der Tod meines Mitbruders ist mir sehr nahe gegangen. „Lange Zeit war ich traumatisiert und ich konnte nichts von den Ereignissen erzählen.
Wenn es, wie die Indizien zeigen, „ein inszenierter Unfall war, dann ist dieser junge Priester an meiner Stelle gestorben. Das ist mir monatelange nachgegangen.
Ich danke Gott für das Leben. Und ich möchte mein Leben weiter einsetzen für die gute Sache, für das Reich Gottes.
Ich glaube auch, dass mein verstorbener Mitbruder von oben her segenreich für uns wirkt. Er hat ein gutes Beispiel gegeben als Priester. Er hat seinen Einsatz für das Leben mit seinem eigenen Leben bezahlt.
Ich sage immer, es war seine letzte Eucharistiefeier, die nicht mehr gefeiert wurde mit Brot und Wein, , die sich in den Leib und das Blut Jesu verwandeln, sondern er hat seinen eigenen Leib hingegeben uns sein eigenes Blut vergossen. Wir waren ja auf dem Weg zu einer Eucharistiefeier. Die Messfeier wurde vorgezogen durch den Tod meines Mitbruders.“
Auch Jesus hat die Eucharistie vom Gründonnerstag mit Brot und Wein am Karfreitag vollzogen mit der Hingabe seines Leibes und seines Blutes am Kreuz.
Er ist stellvertretend für uns gestorben ähnlich wie P. Salvatore für Bischof Kräutler.
Wir empfangen in der Eucharistie diese Liebe Jesus, der sich mit Leib und Blut für uns hingegeben hat. Damit auch wir nach der Eucharistiefeier die Eucharistie im täglichen Leben weiterfeiern, indem wir uns hingebungsvoll einsetzten mit Leib und Seel´ in der Familie, in der Arbeit, in der Kirche, und es uns viel kosten lassen – es ist immer noch nicht unser Blut. Immer empfangen wir mehr als wir geben können. Voller Dankbarkeit dürfen wir diesen unseren Glauben bekennen!
Bernhard Kranebitter, Pfr.

Pfingstpredigt 2012

Pfingsten, am 27.05.2012
Lsg: Apg 2,1-11 Evg: Joh 20,19-23
Predigt:
Was ist es, was uns hin und wieder berührt und ergreift, wenn wir oft eine Kirche aufsuchen, eine Kerze anzünden und in der Stille in einer Bank sitzen? Wenn wir vielleicht innerlich umhergetrieben, verwundet, enttäuscht da sind vor Gott; vielleicht fremd vor Gott, der großen Frage, oder IHM nah als einer oder eine Seiner Armen.
Vor IHM da sein ist doch oft tröstlich in allem Untröstlichem, es gibt Frieden in allem Zerrissensein, Lichtschimmer in allem Dunkeln. Es ist so tröstlich wenn wir kommen können, vor dieses Geheimnis Gott, und wir eine Ahnung haben, dass nicht so falsch ist, wenn wir ihn Vater nennen. Es ist tröstlich, wenn wir so etwas wie merken, dass ER ein Ohr für uns hat.
Was ist es, was uns da ergreift? Es ist mit diesem alten, vertrauten Namen der Tröster, der so tröstlich ist. Unsichtbar, aber er kennt keine unüberwindbaren Mauern. Der Tröster fließt ein, wie freier Atem, auch wo wir oft nur einen schmalen Spalt weit offen sind. Er tritt ein als federleichter, feiner Geist, unaufdringlich und doch als berührender feiner, tröstlicher Geist Gottes, Hl. Geist. Der du der Tröster wirst genannt …
Dieser Geist wirkt auch im Unbewussten unseres Herzens und unserer Seele, und wir nicht genau wie. Er kann auch hinein wirken bis in unsere Träume.
Eine Frau hatte ihren Bruder bei einem tödlichen Unfall verloren. Der Verlust hat sie sehr geschmerzt. Nach einiger Zeit kam ihr in einem Traum dieser Bruder lächelnd entgegen. Sie sagte zu ihm: „Wie schön, dass du wieder da bist!“ er antwortetet. „Warum „wieder“. Ich war immer schon da bei dir!“ – Dieser Traum was tiefer Trost und so etwas wie eine tiefe Erfahrung einer neuen, anderen Gegenwart des lieben Verstorbenen, der ans Ziel gekommen ist.
Eine andere Wirkweise des Geistes Gottes: er ordnet das „Tohuwabohu“. Am Beginn der Bibel heißt es: Die Erde war wüst und leer und der Geist schwebte über den Wassern. Das Wort für dieses „Wüst-Sein“ ist das „Tohuwabohu“. Tohuwabohu in uns kann sein, dass ich nicht los komme von einer Abhängigkeit zu einem Menschen, zu einer Sache oder zu einer inneren Verletzung. Dann ist mein Herz ver-rückt. Dann den Geist Gottes über meinem Tohuwabohu schweben lassen, dort eintreten lassen, damit mein Herz wieder frei und gelöst wird und wieder den rechten Platz in der Mitte findet und an Seiner Sonne.
Der Geist Gottes knüpft auch das Band familiärer Freundschaft. Wer oft umzieht oder in Länder reist, in denen ihm die Sprache fremd ist, merkt das noch deutlicher. Ich habe in Gottesdiensten in der Fremde diese familiäre Verbundenheit mit anderen mir nicht bekannten Christen als großes Geschenk empfunden. Zu Pfingsten feiern wir diese familiäre Verbundenheit in unserer Pfarrgemeinde aber auch weltweit mit allen Christen des Volkes Gottes, der Kirche.
Wir schätzen Menschen, die nicht nur ihren Job tun, sondern die von so etwas wie einer „Mission“ erfüllt sind; denen ihr Einsatz ein Herzensanliegen aus innerer Überzeugung ist. Jesus haucht seine Jünger und überträgt ihnen mit seinem Geist eine Mission: wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch! Vom Hl. Augustinus stammt der Satz: „Der dich gemacht hat weiß auch, was er mit dir machen will“. Unser Schöpfer hat uns mit Talenten ausgestattet, damit wir eine aufbauende „Mission“ in unserer Familie, in Freundschaften, im Beruf, in Gesellschaft und Kirche erfüllen. Im Zusammenspiel mit allen.
Der Geist Gottes ist Gott selber, die Liebe und das Leben selbst. Er ist der Tröster, die befreiende Ordnungsmacht im Tohuwabohu unseres Herzens und unseres Lebens, er knüpft das familiäre Band der Freundschaft und inspiriert uns in unserer Hingabe an unsere Mission. Amen.
Bernhard Kranebitter, Dekan

Lernen von der Apostelgeschichte

Im Laufe des vergangenen Jahres haben wir in verschiedenen Runden die Apostelgeschichte gelesen.
Ich möchte hier noch ein paar Gedanken daraus aufgreifen.

Was würden wir sagen, wenn wir am Stadtplatz von Lienz über Jesus laut erzählen müssten?
Diese Frage erschreckt. Die Apostel konnten vor Tausenden fremden Menschen erzählen, denn sie hatten so ein Feuer in sich, dass keine Angst und Scham sie aufhalten konnte.
Und wir, wo bleibt unser Feuer?
Und was wäre der Inhalt unserer Rede? „Gott liebt dich!“ – oder wie es die Jünger tun: „Jesus ist auferstanden und lebt“?
Die Apostel werden zu Pfingsten mit dem Hl. Geist erfüllt und das ist nicht nur ein inneres schönes Gefühl, sondern der Geist treibt sie an, hinauszugehen. Die Apostelgeschichte ist das Zeugnis über dieses Hinausgehen.

Die Apostelgeschichte erzählt uns aber auch, wie die ersten Christen miteinander gelebt haben. Natürlich ist es schon ein wenig idealisiert dargestellt und dennoch: Sie trafen sich in ihren Häusern,
sie brachen miteinander das Brot und hielten Mahl und sie beteten und lobten Gott in vielfältiger Weise.
Alle, die durch das Bemühen der Apostel und Jünger sich zum neuen Weg bekehrten, wurden hineingenommen in eine Gemeinschaft, die miteinander das Leben teilte und feierte.

Ein wichtiger Einschnitt in der jungen Kirche ist die Frage, wie man mit „andersartigen“ umgehen soll. Die ersten Christen waren ja Juden, die sich von Jesus begeistern haben lassen. Dennoch lebten sie als Judenchristen nach einer jahrtausendealten Tradition des Volkes Israel – hielten sich an unzählige Gesetze, ließen sich beschneiden u.v.m. Und nun bekehren sich immer mehr „Heiden“. Menschen aus dem griechisch-römischen Kulturraum. Müssen diese nun auch zuerst Juden werden und all diese Traditionen einhalten, um Christen werden zu können?

Eine schwierige Entscheidung, die in der Art eines Apostelkonzils (1.) diskutiert und geklärt wurde. Nein, es ist nicht notwendig diese alten jüdischen Traditionen wie die Beschneidung oder das Reinheitsgebot einzuhalten, einzig der Glaube an Jesus – den Auferstandenen – ist die Grundlage des Christentums.
Dennoch – um das Zusammenleben der Kulturen zu ermöglichen, um miteinander Mahl halten zu können, miteinander feiern zu können, sollte aufeinander Rücksicht genommen werden.

Wir machten uns weiters auf die Suche nach Frauen in der Apostelgeschichte und entdeckten doch einige:
Lydia, Priszilla, Damaris, Rhode, Tabita …
Frauen aus verschiedenen Schichten – von der Purpurhändlerin bis zur Magd. Und was haben sie getan, dass ihr Name aufscheint? Das, was viele Frauen in der Kirche auch heute noch tun: bewirten, helfen, nähen, beten, caritativ tätig sein … aber auch z. B. prophetisch reden oder eine Gemeinde leiten. Diese Frauen werden zwar nur kurz genannt in der Apostelgeschichte, aber ihre Namen sind festgehalten. Auch unsere Namen werden festgehalten, wir bewirken etwas und es ist das Fundament der Kirche, auch wenn das, was wir tun, noch so klein und unbedeutend erscheint.

Beim Blick auf die Missionsreisen des Apostels Paulus wird uns klar, er hat keine Mühen gescheut, das Evangelium zu verkünden. Tausende Kilometer und jahrelang unterwegs sein, sich mit allen strittigen Fragen auseinandersetzen, Probleme lösen, Anfeindungen und Verfolgungen aushalten. Sich ganz für Christus, mit jeder Faser des eigenen Lebens, einsetzen – das sind Apostel.
Im Blick auf die Apostelgeschichte kann man erkennen, wie nah wir doch an der Urkirche sind und sie leben und wie weit wir dennoch entfernt sind, so ein Feuer in uns zu haben.

Karoline Eder

Florianiprozession, Predigt 6. Mai 2012

Evangelium: Joh 15,1-8 Ich bin der wahre Weinstock,und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, … die Frucht bringt, reinigt er, …

Predigt:
Manchmal ist man in Versuchung, sich mit Abscheu abzuwenden:
Wenn man so hört, was im Korruptions-Untersuchungsausschuss ans Tageslicht kommt oder wie man sich der Aussage entschlägt über Verbindungen, Freunderlwirtschaft, Anfüttern, Provisionen, Bestechung.
Manchmal ist man in Versuchung sich mit Abscheu abzuwenden:
Gewalt und sexuellem Missbrauch an Kindern.
Manchmal ist man in Versuchung sich abzuwenden:
Wenn in der eigenen Familie oder im Verein, im Freundeskreis all das auftaucht: Eifersucht, Neid, Rivalität, Streit, Verleumdung, Unversöhnlichkeit.
Manchmal ist die Atmosphäre so vergiftet, dass man in Versuchung ist sich abzuwenden von der Politik, der Kirche, der Wirtschaft, der Familie, dem eigenen Verein …
In einer Familie war das der Fall, Verletztheit, Vorwürfe, bittere Eiszeit, kein Gespräch mehr zwischen Eltern und erwachsenen Kindern: Nichts hat genützt, keine Ratschläge, keine, Apelle, Vorsätze, Psychologen, Priester, keine Familienberatung oder -gesetzgebung.
Geholfen hat erst ein Kind, das auf die Welt gekommen ist. Der Enkel war da, man wieder miteinander gesprochen. Langsam ist die Familie wieder aufgetaut, eine neue Beziehung wurde möglich, ein neuer Geist.
Solange Religion nur Gebote, Lebensweisheit, Ratschläge, Kirchenrechtparagraphen, Moral, Lebensweisheit, priesterlicher Beistand ist, nützt sie oft auch reichlich wenig.
Jesus selbst meint: Glauben muss wie eine neue Geburt in dir sein, Geschenk einer neuen, wirklichen Beziehung, und das Staunen, die Freude darüber.
Glauben heißt, sagen können: mir ist eine zusätzliche Beziehung geschenkt, eine zusätzliche unversiegbare Liebe und damit ein neuer Geist!
Dann kann Gott entgiften, reinigen mit seinem Geist wie jenes Neugeborenen in der erwähnten Familie.
Der Gott des Neuen und Alten Testamentes wendet sich nicht in Abscheu von uns ab. Er weiß: wir sein Volk sind wie Weinstöcke in einem Weinberg, wir tragen Früchte, sind aber daueranfällig für Krankheiten, Ungeziefer –
Gott ist der Winzer, Weingärtner in seiner Kirche, in der Gesellschaft, … schuftet Tag für Tag, tut in uns, was zur Reinigung notwendig ist.
Wenn ICH spüre, dass ich innerlich vergiftet bin: dann ist es notwendig, dass ich still mich SEINER Gegenwart aussetzen. Da ist Beten, Meditation ein Reinigungsprozess von Gott her.
Erst wenn Glaube nicht nur äußerlich ist, wenn ich mir die Zeit nehme, mich innerlich zu öffnen kann ich erfahren: du bist in mir, wirkst, in mir.
Heute, jetzt haben wir die Zeit, dass uns die Tradition der Florianiprozession innerlich wird, wir uns öffnen:
Für diese innerliche Gegenwart Gottes
Für sein reinigendes Wort in den Evangelien
Für seine reinigende Gegenwart im eucharistischen Brot in Kommunion und Monstranz
Für sein reinigendes Wirken in mir
Für seine reinigende Wirken zwischen uns, in unseren Beziehungen
Für sein reinigendes Wirken bis hinein in unsere Zusammenleben in der Stadt, in Schule und Arbeitsplatz, in den Pfarren, in der Kirche – Jesus, gib uns deinen neuen Geist!
Damit wir uns nicht in Abscheu abwenden, sondern dass wir uns – wie du – stets neu zuwenden dem Weinberg, unseren Familien, unserer Zusammenleben in der Stadt und den Pfarrgemeinden, und als Gereinigte entgiftend wirken: dankbar für die Frucht die reiche, die Tag für Tag wächst, erstaunlich! Amen.
Bernhard Kranebitter, Dekan

Die Zukunft liegt in unserem Handeln

Gastkommentar:

Wir leben in einer Zeit, die von Krisen nur so geschüttelt wird. Wir erleben eine ökologische Krise, an der wir durch unseren verschwenderischen Umgang mit Ressourcen zumindest mitverantwortlich sind. In unseren Weltmeeren bilden sich beispielsweise bereits riesige Inseln aus Plastikmüll. Dieser wird von Meerestieren mit Nahrung verwechselt und gefressen.

Da diese Tiere, wie auch Fisch, auf unserem Speiseplan stehen, gelangen giftige und krebsverursachende Chemikalien, wie die Weichmacher oder DDT in Kunststoffen, schließlich auch in unseren Körper.

Indem wir weiterhin Berge von Müll produzieren, vergiften wir also nicht nur unsere Umwelt, sondern schlussendlich auch uns selbst. Im Sinne unserer Schöpfungsverantwortung sind wir nun gefordert, rücksichtsvoller mit unserer Umwelt umzugehen.

Denn der Mensch hat keine Sonderstellung in der Natur, sondern ist wie jedes andere Lebewesen nur ein Teil des Planeten Erde. Wir Menschen sind von der Natur und ihren Reichtümern sowie von den komplexen und vielfältigen Ökosystemen abhängig. Es ist also nur logisch, die Natur und ihre Vielfalt zu schützen und zu wahren, da sie unsere wichtigste Lebensgrundlage darstellt.

Gott sei Dank haben wir u.a. die Möglichkeit auf Verpackungsmaterial zu verzichten, oder gibt es mittlerweile Zertifizierungen wie Cradle2Cradle, die die biologische Abbaubarkeit vieler Produkte empfehlen sowie vorschreiben und somit der Vision einer Menschheit im Einklang mit der Natur näher kommen?

Mit jeder Krise haben wir auch die Chance, unsere Wertvorstellungen neu zu definieren und uns von alten Mustern zu lösen. So wird auch die gegenwärtige Verteilungsungerechtigkeit, die durch die Finanzkrise immer größer wird, bald von gerechteren Systemen, wie z.B. der “Gemeinwohlökonomie” abgelöst werden – wenn wir die Chance nutzen.

Bernhard Lugger, Amlach

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.